Paprika: Gemüse des Jahres 2015

Paprika und damit auch die Chili, genauer: die gesamte Gattung Capsicum L., wurden vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt [VEN] zum Gemüse des Jahres 2015 und auch 2016 ernannt: Sie gehören zu den Fruchtgemüsen und dort den Nachtschattengewächsen. Pepperoni ist übrigens nur ein anderer Name für Chili.

Paprika und Chili

Die Menschen haben die Vielfalt von über 2.000 Paprika und Chili-Sorten aus nur fünf Arten gezüchtet: Die daraus entstandene biologische Vielfalt ist wiederum die Grundlage kultureller Vielfalt, die in den vielen verschiedenen kulinarischen Verwendungen ihren Ausdruck findet.

Chilis und Paprika bereichern unsere Küche durch ihre bunte Farbenpracht und fruchtigem, teils scharfen Geschmack und ihrem sehr hohen Vitamin-Gehalt: Dieses Kulturgut sollte bewahrt aber auch behutsam weiterentwickelt werden.

Paprika und Chili selbst anbauen

Das beliebte Gemüse kann im Garten oder im Topf selbst angebaut werden: Die Anzucht ist in kleinem Umfang auch ohne beheiztes Gewächshaus am sonnigen Fenster möglich.

Bei der Sortenauswahl sollte man sich zunächst überlegen, ob man milde Gemüsepaprika anbauen möchte oder wie scharf man sein Essen mag:

  • Schärfegrad 1 bedeutet nur leicht scharf,
  • Schärfegrad 10 ist für die meisten Personen schon ungenießbar.

Paprika [Capsicum L.]

Die Gattung Paprika [Capsicum L.], auch als Chili, Peperoni, Pfefferoni oder Peperoncini bezeichnet, gehört zur Familie der Nachtschattengewächse [Solanaceae] und ist äußerst vielfältig.

Im Lebensmittelhandel angebotene Grüne Paprika sind übrigens in der Regel unreif geerntete Früchte, die aber bekanntermaßen bekömmlich sind.

Es gibt allerdings auch Sorten, die in der Reifung keinen Farbumschlag nach gelb, orange, rot etc. haben, sondern wirklich grün abreifen: Deren Grün ist allerdings dunkler und voller in der

Paprika ernten

Geerntet werden können die ausgewachsenen Früchte bereits in unreifem Zustand, bevor sie ihre endgültige Farbe erreicht haben: Das regt die Pflanzen zu neuer Fruchtbildung an.

Frühe Freilandsorten können ab etwa August beerntet werden, späte sind im Oktober ausgefärbt, oder müssen vor dem Frost unreif abgenommen werden.

Besondere Vorsicht ist beim Hantieren mit scharfen Früchten geboten! Die sich an Hände und Gerätschaften, wie Messer, Brettchen usw. anhaftende Schärfe sollte nicht auf die Schleimhäute von Säugetieren gelangen.

Also nicht mit „kontaminierten“ Fingern Katze oder Hund streicheln und auch ahnungslose Personen bitte fernhalten.

Paprika anbauen

In unseren Breiten sollten Paprika und Chili bereits etwa im Februar vorgezogen werden: Zum Keimen benötigen sie allerdings eine Raumtemperatur von circa 24 Grad Celsius.

Zur weiteren Entwicklung müssen sie vor Zugluft geschützt bei etwa 20 Grad Celsius und sehr hell aufgestellt werden.

Paprika aussähen

Eine frühe Aussaat im Januar bis Mitte Februar sollte deshalb nur vorgenommen werden, wenn den Sämlingen in den ersten Wachstumswochen zusätzlich künstliches Licht zur Verfügung gestellt wird.

Wichtig in der ersten Zeit ist es, dass die Wurzelentwicklung gelingt: Am besten sät man ca 0,5 bis 1 Zentimeter tief in ein speziell nährstoffarmes Anzuchtsubstrat. Es sollte locker-luftig und warm sein. In kalter, nasser, verklebter Erde sterben die Wurzeln ab.

Gegen herumschwirrende etwa 1 Millimeter kleine schwarze Fliegen [Trauermücken] helfen die sogenannten Gelbtafeln, wenn man nicht jedes Flieglein mit der Hand fangen will. Da ihre Larven die Wurzeln der Sämlinge abnagen, sollten sie rechtzeitig bekämpft werden.

Paprika pikieren

Haben die Pflänzchen nach den Keimblättern das erste Blattpaar ausgebildet, sollte in Einzeltöpfchen pikiert werden.

So können die kleinen Pflänzchen etwa nahe der Heizung am hellen Fenster in kleinen Voranzuchtkästchen mit transparentem Deckel stehen.

Der Deckel wird bei Abwesenheit vorsorglich morgens, bei Anwesenheit spätestens aber geöffnet, sobald die Sonne darauf scheint, damit es nicht zu einer Überhitzung kommt.

Werden die Töpfe zu klein sind, muss noch einmal in etwas größere Töpfe von circa 12 Zentimeter mit frischer, nahrhafter Erde umgetopft werden, denn ins Freiland gepflanzt werden kann erst nach den letzten Frösten.

Paprika ins Freiland

Nachttemperaturen von 5 Grad Celsius bekommen den Pflanzen nicht: daher nicht zu früh auspflanzen! Paprika können aber auch den ganzen Sommer über gut in Töpfen ab 18 cm oder im Kübel gehalten werden.

In den ersten Tagen und besonders Nächten im Freiland und wenn im Juni doch noch kaltes Wetter herrscht, hilft das Abdecken mit Flies.

Man sollte die Pflanzen allerdings an warmen Tagen vor dem Auspflanzen besser schon mal vorsichtig an Wind und Sonne gewöhnen.

Paprika vermehren

Paprika und Chili sind Selbstbefruchter: Werden allerdings Pollen einer anderen Pflanze übertragen, so kommt es zu einer Verkreuzung.

Diese ist bei einer Sortenerhaltung zu vermeiden, weshalb empfohlen wird, nur eine Sorte anzubauen oder den Abstand zwischen verschiedenen Sorten, auch denen des Nachbarn, genügend groß zu wählen.

Es muss in jedem Fall verhindert werden, dass Insekten anhaftender Pollen von einer Blüte auf die einer anderen Sorte transportiert wird.

Dies kann auch geschehen, indem man Knospen mit Hilfe von farbigen Bändchen markiert, die Pflanze während der Blüte durch engmaschige, aber noch gut lichtdurchlässige Netzbeutel isoliert und sobald genügend markierte Früchte angesetzt sind, das Netz entfernt.

Auch ein Verkleben der ausgewachsenen Knospe mit Flüssiglatex [gibt’s im Handarbeitsgeschäft oder Bastelladen] kurz bevor sie sich öffnen würde, kann eine Selbstbefruchtung erzwingen.

Auch hier ist es wichtig, die entsprechenden Knospen zu markieren, damit man später bei der Ernte weiß, von welchen Früchten man die Samen nehmen kann.

Da immer etwas dazwischen kommen kann, Früchte fallen ab oder fallen Naschdieben zum Opfer, sollten gleich mehrere Früchte sicher selbstbefruchtet sein.

Paprika Samen gewinnen

Für die Saatgutgewinnung geerntet werden sollte eine Frucht erst, wenn sie voll ausgereift, am besten überreif ist, aber bevor sie zu Schimmeln beginnt.

Die Samen können einfach getrocknet werden: Kühl und luftdicht verpackt – vorher gut durchtrocknen! – behalten sie ein paar Jahre ihre Keimfähigkeit.

Die bei uns in der Regel einjährig angebauten Pflanzen sind eigentlich mehrjährig wachsend und fruchtend.

Paprika können im Prinzip in unseren Breiten im Haus überwintert werden, was zwar eher unüblich, jedoch sehr interessant ist. Man sollte sich allerdings etwas mit der Blattlausbekämpfung befassen. [VEN, Foto]

 

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