Ernst Pagels: genialer Staudenzüchter

Ernst Pagels? Diesem bedeutenden Staudenzüchter geht es wie vielen innovativen Menschen: Wir nutzen ihre Neuerungen, kennen die Urheber aber nicht.

Dabei sind in fast jedem Garten Pagelsche Züchtungen zu finden: unter anderem Gräser, Salbei, Schaublatt und Elfenblumen.

Wie viele andere Pflanzenzüchter war auch Pagels, der am 09. Oktober 1913 in Lübeck als Sohn eines Gärtners geboren wurde, ein Lebensphilosoph und Gartengestalter.

Ernst Pagels: genialer Staudenzüchter

Passion lag dem Lebenswerk des Staudenzüchters Ernst Pagels zu Grunde [† 16. Januar 2007], kombiniert mit äußerst großer Sortenkenntnis, viel Geduld, einem begnadeten Auge und viel Gefühl für die Pflanzen.

„Es war oft so, als ob die Pflanzen meine Wünsche erhört hätten, aber nur unter der Bedingung, dass man sich sehr intensiv mit ihnen beschäftigte“, schrieb Pagels.

Gartenarchitekten nehmen Pagelsche Sorten oft als Grundbestandteile in der Gestaltung: Drei seiner Salvia nemorosa-Sorten stehen im Lurie Garden in Chicago.

Diese Kombination von Lila-Blautönen wurde auch im Dream Park in Enköpinkg in Schweden eingesetzt.

Der in Fachkreisen hoch geschätzte niederländisch Gartengestalter Piet Oudolf verwendet in fast allen seinen Entwürfen Sorten von Ernst Pagels.

So auch Anke Mattern, Gartendesignerin aus Steyerberg, Niedersachsen, die bereits 2005 den Gedenkgarten Ernst Pagels im Park der Gärten in Bad Zwischenahn geschaffen hat.

Sie war langjährige Betriebsleiterin der Pagelschen Staudengärtnerei in Leer. Ernst Pagels stellte eine Wunschliste mit seinen Lieblingszüchtungen zusammen, die er in Bad Zwischenahn gepflanzt haben wollte.

Anke Mattern kombinierte sie mit ausgesuchten Begleitstauden in farblich abgestufte Themen, was sich gut in andere Gärten übertragen lässt.

Pagels Gedächtnisgarten

Über 6.000 Stauden wurden von ihr im Pagels Gedächtnisgarten in Bad Zwischenahn gepflanzt.

In den begleitenden Randbereichen des Gartens mischen sich viele Pagel’sche Züchtungen mit Neuheiten und Neueinführungen, die zeitgleich weltweit Karriere machten.

Über Amerika kamen im Zuge des neuen Ornamental Grass Gardening neue Gräser Sorten nach Deutschland, wie die Miscanthus sinensis-Sorten Yakushima, die weißgrün gestreifete Cosmopolitan oder die feinblättrige Morning Light.

Citronengelb-Grün-Weiß

Durch das offene Ammerländer Bauernhaus im Zentrum des Gartens erstreckt sich die Citronengelb-Grün- Grau- und Weiß-Diagonale.

Hier wachsen im Schatten einer Stileiche die Pagelszüchtungen der blattschönen Epimedium-Sorten Frohnleiten, Hosta sieboldiana Elegans, Luzula sylvatica Wintergold und das hellgelb gestreift blättrige Miscanthus Pünktchen.

Apricot-Hellblau-Lila

Im Eingangsbereich des Ernst Pagels Gartens erlebt man die in Apricot-Hellblau und Lila gehaltenen Pflanzungen, die sich wiederum durch das Bauernhaus hindurch über einen kleinen Hügel hinauf fortsetzen.

Den legendären Blauhügel, natürlich gepflanzt mit der schönen hellblauen Auslese von Ernst Pagels, der Salvia nemorosa Blauhügel!

Die Sorten von Achillea filipendula Credo und Hella Glashoff sowie Sedum Karfunkelstein und Kleiner Juwel sind hier zu finden und schaffen ein stimmiges Gartenensemble.

Und als besonders geschätzte Pagels Züchtung hat hier auch Miscanthus floridulus Karl Foerster seinen Platz.

Violettblau-Tiefes Pink-Scharlach

Hier stellen sich seine berühmten Salvia nemorosa Sorten , wie Ostfriesland, Wesuwe und Tänzerin zur Schau, begleitet von violett blühenden, großkugeligen Allium.

Im Frühling umspielt Papver Lauffeuer den schönen Blütenflor von Geranium himalayense-Sorten und im Spätsommer übernehmen kräftige Phloxsorten, wie Blue Paradise, Starfire und Amethyst das Bild.

Herbstfärbende Panicum virgatumsorten runden das Bild zum Jahresende hin ab.

Rot-Orange-Goldgelb

In der konträren Rotorange- Goldgelben Insel finden sich aus der Pagel’schen Züchterpalette Achillea Feuerland, Achillea filipendulina Walter Funcke und als Solitärgras Miscanthus sinensis Malepartus.

Weinrot-Weiß-Grau

In dem Weinrot-Weiß-Grauen Abschnitt finden sich eine Anzahl schöner Pagel’scher Züchtungen.

Rodgersia henricii in den drei Sorten Die Stolze, Die Schöne und die Die Anmutige, Epimedium grandiflorum Lilafee, Astilbe simplicifolia Aphrodite und die, eine große Fernwirkung erzielende, Astilbe taquetii Purpurlanze.

Pagels: über 100 Jahre

Noch heute profitieren Staudengärtner, Gestalter und Staudenfreunde von seinem Werk und schätzen Panels sehr.

Zum 100. Geburtstag gestaltete Piet Oudolf ein Staudenbeet im jüngst entstandenen Ernst-Pagels-Garten in Leer.

Damit drückt auch er seine Verbundenheit mit dem Staudenzüchter aus. Hier, in der ehemaligen Gärtnerei von Ernst Pagels, sind Stauden- und Gräserkompositionen im naturalistischen Stil angelegt.

Dies spiegelt das Naturverständnis und die Lebenshaltung von Ernst Panels wieder: Auch die Mitmachbeete in diesem Garten, die Mitbürger mieten und bearbeiten können, entsprechen dem Lebensweg von Ernst Pagels.

Er förderte kollegial Gartenfreunde, Staudengärtner und Gestalter und hinterließ sein Geld und seine Gärtnerei einer Stiftung.

Gewinnmaximierung war nicht sein Ziel. Im heutigen Sprachgebrauch waren seine Ansätze integrativ und nachhaltig, also zutiefst menschlich und tiefsinnig.

Ernst Pagels schafft[e] Lebensqualität

Im Garten zeigt sich oft das eigene Lebensgefühl: Ein Besuch in beiden Pagelsgärten lohnt sich daher nicht nur aus gärtnerischer Sicht.

Wer sich darauf einlässt, erhält einen Einblick in das Zusammenschwingen der tanzenden Gräser, in die unendlichen Meerestiefen der blauen Salbeisorten, in das Sonnenspiel farbenfroher Kompositionen und in die Offenheit Neuem gegenüber.

Ernst Pagels hat zeitlebens vielen Menschen Vieles gegeben.

Piet Oudolf und Anke Mattern haben sich mit den Ernst Pagels Gedächtnisgärten persönlich bedankt und tragen darin die Pagelsche Freude an Garten und Leben weiter. [BdS, GMH Pagels Foto]

 

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