Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum

„Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum“, formulierte der Altmeister der Staudenzüchtung, Karl Foerster, bereits in den 1930er Jahren.

Seither hat die Zahl der Irrtümer eher zugenommen: In vielen Gärten sucht man Phlox vergeblich und von der Phloxeuphorie früherer Generationen ist nicht mehr viel zu spüren.

Aktuelle Erkenntnisse und innovative Züchtungen stellen die Weichen für den Phlox neu: Und das ist auch gut so, denn Phlox, auch Flammenblume genannt, bezaubert mit seinen vielen farbenfrohen Blüten.

Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum

Wer an Phlox denkt, hat das Bild des Hohen Staudenphlox [Phlox paniculata] vor Augen, der mit roten, rosafarbenen, zartblauen, violetten oder weißen Dolden über Bauerngartenzäune quillt.

Von Juli bis September setzt er Akzente überall dort, wo viel Sonne auf frische, nährstoffreiche, lehmig-humose Böden scheint.

Beschäftigt man sich mit der Beurteilung des Hohen Phlox durch Pflanzenfreunde, stößt man auf Widersprüche: Völlig unkompliziert, sagen die einen.

Leidet furchtbar unter Älchen [Nematoden] und Mehltau, blüht kaum und verschwindet schließlich wieder, erklären die anderen.

Hierbei spielt die geografische Lage eine Rolle: Im Weinbauklima werden Sorten schlecht beurteilt, die im regenfeuchten Voralpenraum zu den Spitzensorten zählen und umgekehrt.

In Norddeutschland sieht es wieder anders aus und im eher kontinentalen Klima rund um Berlin erst recht.

Phlox: großes Verbreitungsgebiet

Dieses Phänomen lässt sich durch das große, natürliche Verbreitungsgebiet des Hohen Phlox in den USA erklären: Die Art besiedelt einen Raum, der über 1.000 Kilometer hinweg von Illinois im Norden bis nach Georgia im Süden reicht.

Auch wenn es durchweg lichte, bewaldete Niederungen der Flusstäler sind, auf denen der Phlox wächst, musste die Pflanze sich auf der gewaltigen Strecke an verschiedenste Klimabedingungen anpassen.

So entstand eine große Variabilität, die sich auch in den Sorten widerspiegelt. Kein Wunder, dass die eine Sorte mehr Trockenheit verträgt, die andere Kühle liebt und so weiter.

Lange Zeit war der sicherste Tipp für Phlox-Käufer: Regionale Sorten wählen, beim Staudengärtner in der unmittelbaren Nachbarschaft kaufen.

Sortenempfehlungen für den Garten

Inzwischen gibt es Sortenempfehlungen, die deutsche Staudenfachleute erstellt haben: Bereits im Jahr 2000 stellten die Phloxexperten eine Liste von 21 Sorten zusammen, die von Nord- bis Süddeutschland uneingeschränkt empfohlen werden können.

Alte Sorten wie die altrosafarbene, dunkel geäugte Landhochzeit, 1949 von Karl Foerster gezüchtet, finden sich genauso darunter wie Freudenfeuer, ein roter Phlox von Andreas Gaedt, Bornim, aus dem Jahr 1994.

Auch zur leuchtenden Orange, zu Pünktchen, einem zierlichen, roten Phlox mit angedeutetem weißem Auge, oder zur dunkelvioletten Düsterlohe darf man in unseren Breiten bedenkenlos greifen.

Wiesenphlox

Neben dem Hohen Staudenphlox wird der zeitgleich blühende, zierlichere Wiesenphlox [Phlox maculata] leicht übersehen: Doch auch Sorten wie die weiße Mrs. Lingard oder die karminrosa Rosalinde besitzen ihren Reiz.

Mühelos verbinden sie sich mit anderen Beetstauden wie Brennender Liebe [Lychnis chalcedonica] oder Sonnenauge [Heliopsis].

Breitblattphlox

Ob der Breitblattphlox [Phlox amplifolia] wirklich eine eigene Art ist oder doch zum Hohen Phlox gerechnet werden muss, darüber streiten sich die Fachleute.

Dem Pflanzenfreund mag das egal sein. Für ihn ist wichtig, dass der Breitblattphlox deutlich weniger anfällig für Älchen und Pilzkrankheiten ist als der Hohe Phlox.

Von Natur aus blüht der Breitblattphlox in Rosa. Es gibt aber auch ein paar Sorten wie David und Weiße Wolke, die weiß blühen.

Sommerphlox

Viele verschiedene Stauden wären also nötig, wäre da nicht der kleine Sommerphlox [Phlox drummondii] mit seinen roten, weißen, violetten und blassblauen Dolden:

Als unkomplizierte einjährige Pflanze macht er sich in Beeten breit und wird als Sommertopfpflanze angeboten.

Kürzlich gelang es, ihn mit einer Wildart zu kreuzen: Das Ergebnis ist ein völlig neuer, buschig-ausladend wachsender Phlox für Ampel, Kübel und Kasten.

Unter dem Namen Intensia kombiniert er Dauerblüte mit Unempfindlichkeit gegenüber Hitze und den Stressbedingungen in Kasten und Ampeln.

Der üppige Blumenflor schimmert pink, rosa- oder lavendelfarben mit weißem Auge. Weitere Farben sind demnächst geplant.

Phlox: fast jede Größe und Farbe

So schön der Blütenflor von Stauden– und Einjährigem Phlox ist, mit dem ersten Frost im Herbst endet die Pracht: Aber schon im Frühjahr beginnt der Phloxreigen erneut, wenn der niedrige Polsterphlox blüht.

Nur 10 bis 15 Zentimeter hoch werden Phlox douglasii und Phlox subulata. Angetriebene Töpfe sind manchmal schon im Februar oder März in den Gärtnereien erhältlich.

Im Garten erfreuen sie im April oder Mai mit ihren Sternchen über dem immergrünen, rasenartigen Polster.

Einfarbig, aber auch fein gestreift wie Candy Stripes oder mit kräftigem Auge wie Bavaria und Zwergenteppich, besiedeln sie Steingärten und quellen über Topfränder und Mauerbrüstungen.

Ist die Pracht der Zwergphloxe vorbei, setzen Kenner auf die mit 40 Zentimeter halbhohen Phloxe, die aus halbschattigen Gartenpartien hervorleuchten.

Sweet William nennen die Amerikaner den Waldphlox [Phlox divaricatus], dessen süße Düfte im Mai und Juni durch die Lüfte schweben. Clouds of Perfume, May Breeze und Dirigo Ice duften besonders intensiv.

Sehr ähnlich gibt sich Phlox stolonifera: Er besitzt allerdings einen beachtlichen Ausbreitungsdrang, eine Eigenschaft, die auf schwierigen, schattigen Gartenplätzen durchaus erwünscht sein kann.

Sogar Sommertrockenheit, wie sie unter Gehölzen vielfach auftritt, kann Phlox nicht schrecken, solange es im Frühjahr ausreichend feucht ist, damit er austreiben und Blüten entwickeln kann. [Tanaka Juuyoh Foto]

 

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