Mähsysteme für Rasenmäher und Gartentraktoren

Zum Rasenschnitt und Wiesenschnitt, insbesondere beim Rasenmäher und bei Gartentraktoren, werden vor allem Sichelmähwerke, Spindelmähwerke und Schlegelmähwerke als Mähsysteme eingesetzt.

Dabei wird das Gras je nach Bedarf geschnitten und seitlich ausgeworfen, gemulcht oder auch im Grasfangkorb gesammelt, um dann kompostiert oder entsorgt zu werden.

Die Mähsysteme unterscheiden sich grundsätzlich und haben natürlich ihre Vor- und Nachteile.

Mähsysteme für Gartentraktoren

Ausgangspunkt all dieser Mähsysteme ist die Landwirtschaft: Zuerst waren es einfache Sicheln, später dann Sensen, mit denen das Korn oder das Heu zur Ernte von Hand geschnitten wurde.

Später folgte die Spindel, die in der maschinellen Revolution der Erntetechnik eine entscheidende Rolle spielte.

Eine weitere wichtige maschinelle Schneidtechnik ist der Balkenmäher. Er hat seine Bedeutung heute noch in der Futtergewinnung.

Die vorerst letzte Variante ist der Schlegelmäher. Er ist vor allem zur Landschaftspflege entwickelt worden.

Laser als Schneidhilfe

Darüber hinaus hat es so manchen Versuch gegeben, andere Schneidverfahren zur technischen und wirtschaftlichen Serienreife zu entwickeln:

Einer der spektakulärsten für die Rasenpflege war eine technische Studie, die auf einen Laser als Schneidhilfe setzte.

Aufgrund der enormen Energiemengen, die ein Laser aber benötigt, um jeden Grashalm sauber abzubrennen, ist dieses Projekt bereits im Anfangsstadium gescheitert.

Sichelmessertechnik

Rasenmäher und Gartentraktoren arbeiten heute immer noch weit überwiegend mit der Sichelmessertechnik: Ein Motor dreht ein Messer, dass das Gras schneidet.

Wenn das Schnittgut dann noch in einen Fangsack befördert werden soll, bekommt das Messer nur eine besondere Aufkantung.

Das erzeugt einen Luftstrom, der das Schnittgut in den Auffangbehälter befördert.

Die anderen Varianten zur Grasaufnahme sind Bürsten oder spezielle Sauger, deren Saugstrom von Turbinen erzeugt wird.

Eine Sonderform bei Rasenmähern sind die Luftkissenmäher: Hier erzeugt das Sichelmesser einen Luftteppich, auf dem der Mäher schwebt. Bei Rasentraktoren wird diese Technik aber nicht angewendet.

Die Spindelmähtechnik beim Spindelmäher wird für besonders feinen und sauberen Grasschnitt eingesetzt: Golfplätze sind ein typisches Einsatzgebiet für diese Technik.

Der Motor dreht hierbei eine auf dem Gras liegende Walze mit scharf geschliffenen Messern, die über eine Gegenschneide geführt wird. Nach dem Prinzip der Schere wird nun das Gras sehr sauber abgeschnitten.

Die Walze selbst erzeugt nur einen geringen Luftstrom. Das reicht aber aus, um direkt vor oder hinter den Spindeln geführte Behälter mit dem geschnittenen Gras zu füllen.

Große Volumen oder prall gefüllte Behälter sind damit aber nicht möglich.

Schlegelmäher

Schlegelmäher sind vor allem für den extensiven Einsatz auf Wiesenflächen konzipiert: Diese Flächen werden im Gegensatz zur intensiven Pflege nur ein bis zwei Mal pro Jahr geschnitten.

Außerdem verbleibt das Schnittgut als Mulch auf den Flächen. Bei dieser Technik sind auf einer Walze frei fliegende oder feststehende Schlegel befestigt.

Die wiederum unterscheiden sich in Form und Gewicht. Auf jeden Fall sind sie vorne ein- oder zweiseitig abgewinkelt, um schneiden zu können.

Der laufende Motor versetzt nun die Walze in Drehung und die Schlegel hauen und schneiden alles Material weg, was ihnen vor die Messer kommt.

Das Gewicht und die Ausgestaltung der Schlegel bestimmen ihr Aufgabengebiet: Die schwersten machen auch noch Gestrüpp und Strauchwerk dem Boden gleich.

Die feinsten Schlegel sind dünn und messerscharf. Sie schneiden auch noch höheres Gras sauber ab.

Schlegelmäher haben sich im Privatbereich nicht durchsetzen können. Sie werden vor allem im öffentlichen und kommunalen Sektor verwendet.

Sonderform Balkenmäher

Weil es bei dem Thema allgemein um Schneidsysteme geht, muss man kurz auf den Balkenmäher eingehen:

Er liefert heute immer noch die besten Ergebnisse bei der Futtergewinnung. Der auf dem Boden aufliegende flache Mähbalken besteht aus zwei gezahnten Teilen.

Der untere steht fest, der obere wird schnell nach beiden Seiten bewegt. In der Vorwärtsbewegung wird nun das Schnittgut in die Zähne gebracht und dort vom sich bewegenden Messer sauber geschnitten.

In der Gartentechnik wird der Balkenmäher aber nicht verwendet, weil er bei den Punkten Pflege und Wartung und bei den Schnittergebnissen zu aufwendig und zu teuer ist.

Das Mähdeck

Die unterschiedlichen Aufgaben, die ein Mähwerk leisten soll, bedingen ein gutes Zusammenspiel aller Einzelteile:

Neben Motor und Messer oder Walze kommt dem Mähdeck dabei besondere Bedeutung zu. Es ist für seine Aufgaben immer besonders ausgebildet.

Ein reines Mulchdeck ist beispielsweise immer geschlossen, ein Mähdeck dagegen, dass Schnittgut in einen Fangsack leiten soll muss über einen möglichst hohen und breiten Auswurfkanal verfügen.

Das Material des Mähdecks muss glatt sein, damit das Gras keine Möglichkeit hat, sich festzusetzen: Gleichzeitig muss es aber auch so fest sein, dass es die Energie umherfliegender Teile absorbiert.

Als Materialien werden deshalb spezielle Stähle bis zu Edelstahl, Aluminiumlegierungen oder auch Kunststoffe verbaut.

Der Faktor Luft

Bewegte Luft ist das Transportmedium für das geschnittene Gras: Sie wird entweder vom sich drehenden Messer oder von separaten Turbinen erzeugt.

Die Luft sorgt aber nicht nur für den Transport sondern gleichzeitig auch für die gleichmäßige und dichte Befüllung des Fangsacks.

Entsprechende Luftschlitze im Fangsack filtern wiederum die Graspartikel aus dem Luftstrom und leiten die Luft nach außen.

Beim Mulchmäher hat die Luft unter anderem die Aufgabe, die fein geschnittenen Grasteilchen möglichst tief in die Grasnarbe zu befördern, damit die Bodenlebewesen schnell und gut mit ihrer Zersetzungsarbeit beginnen können.

Eine Verstopfung unterbricht den Luftstrom und damit auch die Arbeitsergebnisse: Sie entsteht immer dann, wenn das Gras zu nass ist, oder zu viel an Menge geschnitten werden soll. Außerdem bildet sie sich immer an Stellen, an denen der Luftstrom umgeleitet wird.

Ein- und Mehrfachmähwerke

Beim von Hand geschobenen Sichelrasenmäher, aber auch beim kleinen Aufsitzmäher, sitzt der Motor zentral über dem runden, einteiligen Mähdeck: Das Messer wird direkt angetrieben.

So lassen sich Schnittbreiten von bis zu 55 oder 60 Zentimeter erzielen. Soll noch breiter geschnitten werden, wird aus dem Einmesser- ein Zwei- oder Mehrmessermähwerk.

Die Kraft von der Motorwelle wird dann über Keilriemen auf die einzeln angetriebenen Mähwerke übertragen.

Durch die Keilriemenführung lässt sich bestimmen, in welche Richtung das geschnittene Gras fliegen soll.

Also entweder zur Seite oder in die Mitte zum Grasauswurf und von dort in den Fangkorb.

Keilriemen

Dabei haben die Messer im Mehrfachmähwerk immer einen so genannten Überschnitt: Der ist für das Schnittbild wichtig.

Die Messer sind dabei für den Überschnitt größer, als sie für den Schnitt eigentlich sein müssten, sie überlappen sich also.

Durch die entsprechende Keilriemenführung können sie sich aber niemals gegenseitig berühren und drehen mit der exakt gleichen Umdrehungszahl.

Darüber hinaus schützen die Keilriemen auch noch die Motorwelle: Sie absorbieren viel Energie, die bei Schlägen oder Stößen sonst direkt auf die starre Motorwelle wirken würde.

Lästig sind Keilriemen nur, wenn sie quietschen oder qualmen. Das bedeutet dann zu schwache oder zu starke Spannung. Die lässt sich wiederum einfach auf die richtige regulieren.

Beim Spindelmäher wird die Schnittbreite über die Anzahl der Spindeln gesteuert: Bei Mehrspindelmähern werden sie meist außen um die ganze Maschine herum angeordnet.

Beim Schlegelmäher kommt eine Walze zum Einsatz: Ihre Breite hängt mit der zur Verfügung stehenden Motorleistung zusammen.

Gartentraktor mit Mähwerk vorne

Das Mähwerk von Gartentraktoren für den Privatgebrauch ist vorne oder mittig zwischen den Achsen angebaut.

Die vorne angebauten Mähwerke sind meist als Mulcher ausgelegt: Ihre Vorteile liegen beispielsweise in einer hohen Wendigkeit, guten Unterfahrmöglichkeiten und einer hohen Service– und Reinigungsfreundlichkeit.

Ihre Fähigkeit, sich durch ihre sehr beweglichen Mähdecks den Rasenkonturen exakt anzupassen, ist ein weiterer großer Vorteil dieser Konstruktionen.

Noch kompakter und wendiger können Zeroturnmäher gebaut werden: Ihr Antrieb erfolgt über Hydraulikmotoren an den Rädern, die über Lenkhebel bedient werden.

Soll das vorne anfallende Schnittgut aber nach hinten in einen Behälter gelangen, muss es aufwendig transportiert werden.

Das kann dann nur seitlich über Schläuche und Gebläse geschehen, oder unten herum über einen sehr langen Weg. Beide Möglichkeiten neigen zu schneller Verstopfung.

Gartentraktor mit Mähwerk mittig

Wer das geschnittene Gras aber aufnehmen möchte, ist mit einem mittigen Mähwerk zwischen den Fahrachsen besser bedient: Auch hier werden die Decks so aufgehängt, dass sie den Rasenkonturen gut folgen können.

Der Weg zum meist hinten angehängten Fangkorb ist aber jetzt deutlich kürzer und der Luftstrom kann direkt in den Behälter geleitet werden.

Dies ist heute die mit Abstand meistverwendete Technik bei kleinen Rasentraktoren. Der Auswurfkanal kann leicht geschlossen werden, was wiederum Mulchen möglich macht.

Selbstverständlich gibt es auch die Variante mittiges Mähwerk ohne Fangbehälter: Bei diesen Geräten ist das Mähdeck an der Seite offen.

Das Messer schneidet das Gras und schleudert es einigermaßen gleichmäßig durch die Öffnung auf die Rasenfläche zurück. Heute lässt sich das Deck fast immer auch komplett zum Mulchen schließen.

Diese Geräte sind einfach zu bauen und werden meist im Preiseinstiegssegment angeboten.

Ihre Bedeutung hat aber stark nachgelassen, weil die meisten Leute heute Mähen und Fangen bevorzugen.

Der mittige, nach hinten gerichtete Grasauswurf in den Heckkorb war früher nicht selbstverständlich:

Die ersten Maschinen führten das geschnittene Gras ebenfalls über große Schläuche und eine Turbine in den heckseitigen Fangkorb.

Verstopfungen bei nassem Gras waren deshalb an der Tagesordnung.

Wartung und Pflege

Das Mähwerk mittig zwischen den Achsen ist schwieriger zu warten und sauber zu halten: Eine sinnvolle Einrichtung zum Reinigen ist in jedem Fall der Wasseranschluss am Mähdeck.

Der Wasserhahn wird aufgedreht und das laufende Messer schleudert das Wasser an die Gehäusewände und reinigt sie so. Die Reinigungsleistung ist direkt nach dem Mähen am Höchsten.

Grasaufnahme durch Bürsten

Eine weitere Variante ist die Grasaufnahme durch eine Bürste: Dabei wird das Gras zunächst im Mähdeck geschnitten und abgelegt.

Eine nachlaufende Bürste nimmt dann in einem direkt folgenden Arbeitsgang das geschnittene Gras auf und befördert es in den Fangkorb.

Diese Technik arbeitet sehr leise, verstopfungsfrei und effektiv. Zusätzlich wird der Rasen gebürstet und Moos ausgekämmt.

Aber die getrennte Ausführung Mähdeck oder nachlaufende Bürste mit separatem Antrieb verursacht auch höhere Herstellkosten.

Messerformen

Es gibt übrigens noch mehr Sichelmesser als Gerätetypen: Die einschlägigen Kataloge sind so dick wie Versandhauskataloge.

Und jeder glaubt, sein Messer sei das perfekte. Bei genauerer Betrachtung ist das Ideale aber noch nicht gefunden und wird es wohl auch nicht.

Die Schneidezone ist auf den ersten außen liegenden Zentimeter begrenzt: Durch die hohe, vom Motor erzeugte Drehgeschwindigkeit schneidet und reißt das Messer gleichzeitig.

Deswegen fallen stumpfe Messer dem Laien übrigens auch nicht besonders auf. Erst ein frisch geschliffenes Messer offenbart seine guten Schneidqualitäten.

Die Messer sind gekröpft oder gebogen, schneiden in verschiedenen Ebenen oder haben verschiedenste geformte Aufkantungen, wenn sie einen Luftstrom erzeugen sollen.

Marktbedeutung bei Mähsystemen für Gartentraktoren im Privatsegment hat eigentlich nur der Sichelmäher mit Grasaufnahme: Spindel- und Schlegelmäher spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Der Sichelmäher hält diese Stellung aufgrund seiner niedrigen Kosten bei der Anschaffung und bei der Wartung sicher auch zu Recht.

Zeroturns und andere Neu- oder Weiterentwicklungen müssen ihre Relevanz noch beweisen. [GTD, Foto]

 

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