Die Ladys mit dem grünen Daumen

Die Ausstellung Die Ladys mit dem grünen Daumen vom 18. April bis 20. September 2015 in Arzberg, Bergnersreuth, beleuchtet die Beweggründe, die Damen aus Adel zu allen Zeiten mit großer Leidenschaft der Anlage, Pflege und Nutzung von Gärten widmeten.

In lebendigen Inszenierungen und medialen Aufbereitungen wird auch der Wandel der Gartenkultur von der Renaissance bis in die Gegenwart verdeutlicht.

Zahlreiche historische Exponate ergänzen die Präsentation.

Es ist eine faszinierende Geschichte wie: die Lovestory zwischen Frauen und ihren selbsterschaffenen grünen Paradiesen.

Insbesondere Damen aus Adel oder sehr wohlhabendem Bürgertum kommt der Verdienst zu, die Entwicklung der Gartenkunst nicht unwesentlich beeinflusst zu haben.

Im neuzeitlichen Europa ist es zunächst Katarina de Medici [1519-1589], die als französische Königin einen enormen Einfluss auf die Gestaltung des Gartens von Schloss Chenonceau an der Loire hatte.

Sie spielte gekonnt mit den symmetrischen und ornamentalen Elementen des Renaissance Gartens und der in die Fläche ausgreifenden Weite des Barockgartens.

Die Ladys mit dem grünen Daumen

In Oberfranken ist es vor allem die aus Preußen stammende Wilhelmine von Bayreuth [1709-1758] Schwester Friedrich des Großen, die sich die Gartengestaltung am preußischen Hofe zum Vorbild nahm.

Nach ihren Vorstellungen entstand mit Sanspareil ein an den englischen Landschaftsgarten angelehnter Felsengarten. – Wilhelmine dazu:

Die Natur selbst war der Baumeister.

Selbstbewusst und frei konnten auch Gräfin Christina von Brühl [1756-1816] und Zarin Maria Fjodorowna aus dem Hause Württemberg [1776-1801] ihre Passion für den Garten ausüben.

Die großartigen Gartenanlagen im Seifersdorfer Tal bei Dresden und der Schlosspark von Pawlowsk sind noch heute Zeugnisse der Leidenschaft dieser beiden Frauen für die Freude am Gestalten von Parkanlagen im englischen Stil.

Pflanzen wissenschaftlich erforschen

Mit Kaiserin Josephine de Beauharnais, der Gattin Napoleons [1763-1814] beginnt die Phase, in der Frauen die in ihren Anlagen wachsenden Pflanzen wissenschaftlich erforschen, Züchtungen in Auftrag geben und generell botanisches Interesse entwickeln.

Im Garten von Chateau de Malmaison waren es insbesondere Rosen, die die Aufmerksamkeit der Kaiserin erregten, Josephine erhielt deshalb den Beinamen Die Rosenkaiserin.

Die Frau als Gärtnerin

Erst mit dem Ende des Feudalismus und der Neuordnung Europas infolge des Wiener Kongresses beginnt eine neue Ära für die gartenbegeisterten Ladys.

Nun kann wirklich von Gärtnerinnen gesprochen werden, also Frauen, die selbst zu Schubkarre, Spaten und Gartenschere greifen.

Eine der ersten ist die französische Schriftstellerin George Sand [1804-1876].

Sie erschreckte die Gesellschaft also nicht nur durch ihre zahlreichen Liebschaften, ihre sozialkritischen und feministischen Werke und das Tragen von Männeranzügen, sondern auch durch die Beschäftigung mit Gartenarbeit.

Ihre schöpferische Kraft floß in maßgeblicher Weise in die Gestaltung ihres eigenen Zier- und Nutzgartens in Nohant im Berry.

Englische Cottagegärten

Frischen Wind in Sachen Gartengestaltung brachte mit dem viktorianischen Zeitalter Gertrude Jekyll [1843-1932].

Ihr eigener Garten Munstead Wood ist der Urtyp des englischen Cottage- oder Landhausgartens mit den dafür typischen und völlig neuartigen Staudenbeeten.

Da sie zudem im Auftrag Gärten und Parks gestaltete, gilt sie mit Fug und Recht auch als erste Landschafts- und Gartenarchitektin.

Viele adelige Damen in England wurden von ihrem Vorbild beeinflusst.

Sissinghurst Castle

Besonders zu erwähnen ist Lady Vita Sackville-West [1892-1962]. Sie war eine überaus schillernde Figur innerhalb der englischen High-Society ihrer Zeit.

Lady Vita Sackville-West diente Virginia Woolf als Inspiration für die Romanfigur Orlando.

Innerhalb der Geschichte der Gartengestaltung kommt ihr ein bedeutender Platz zu.

Sie ist für eine der weltweit bekanntesten Gartenanlagen verantwortlich, den Park von Sissinghurst Castle, den sie nach der Heirat mit Baron Carnock umgestaltete und zwar tatkräftig auch mit eigener Hände Arbeit.

Sissinghurst ist heute die meistbesuchte englische Gartenanlage im Besitz des National Trust.

Gärten für die Öffentlichkeit

Bedeutende Gärten und Parks werden auch heute noch gestaltet, gepflegt und zunehmend der Öffentlichkeit geöffnet.

Waren sie einst nur das Refugium einer Familie, so sind sie heute Bühne für unterschiedliche Events.

Gärten und Parks bilden mittlerweile traumhafte und einzigartige Kulissen für anspruchsvolle Veranstaltungen, Messen und pompöse Feiern.

Wieder sind es die Damen, wie Viktoria Freifrau von dem Bussche, die Mutter aller Gartenfestivals in Deutschland, die als Eventmanagerin in Sachen Nutzung von Park und Garten agiert.

Seit 1998 öffnet sie den Park von Schloss Ippenburg in Bad Essen dem Publikum für Gartenfestivals.

Schloss Ippenburg beherbergt zudem den größten Küchengarten Deutschlands der 2010 anlässlich der niedersächsischen Landesgartenschau angelegt wurde.

Der Garten als Ausgleich

Auch die Schirmherrin der Ausstellung Uschi Dämmrich von Luttitz kommt in der Ausstellung zu Wort.

Insbesondere auch deshalb, weil Sie nicht nur im Bayerischen Fernsehen eine erfolgreiche Reihe Blaues Blut und grüner Daumen moderiert, sondern auch, weil sie zuhause auf Gut Niederaltenburg an der Mangfall einen eigenen Garten gestaltet hat und pflegt.

Die Liebe zum Garten und Gärtnern der zahlreichen Ladys mit grünem Daumen hat viele Gründe.

Vor allem aber den, dass Arbeit mit und im Garten ein wirksames Mittel gegen Stress, Banalitäten, Niederlagen und Langeweile ist.

Der Garten ist ein Refugium, eine grüne Oase, ein Zufluchtsort:

  • er ist ein Ort der Ruhe,
  • er erlaubt Kreativität,
  • er lässt Gestaltung zu,
  • er wandelt sich alleine mit den Jahreszeiten,
  • er verzeiht aber auch keine Vernachlässigung

…kurzum er ist eine Persönlichkeit mit eigenem Charakter, er will Aufmerksamkeit und Pflege, hat nahezu menschliche Züge, ist ein Begleiter in allen Lebenslagen.

 

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