Walnuss: idealer Hausbaum

Die Walnuss [Juglans] ist der Baum des Jahres 2008 und einer der letzten, der im Frühjahr austreibt. Noch dazu ohne auffällige Blüten oder sonst etwas Bewegendes. Und er ist der erste kahle Baum im Herbst, wiederum ohne auffällige Herbstfärbung der Blätter und ohne farbige Früchte.

Seine Kätzchen sind unauffällig, und seine Früchte sind am Baum auch keine Zierde. Überdies hat er einen untersetzten plumpen Habitus.

Aber das kann man ja auch alles genau anders sehen! Denn er hat mindestens zwei Dinge von allerhöchster Qualität zu bieten: das edelste Holz und die besten aller Nüsse.

Außerdem bekommt der Baum durch seine silbrige Rinde und seine knorrigen Äste Charakter. Und dass er die Blätter nur so kurz trägt, ist gerade sein Vorteil als Hausbaum.

Denn er wirft im Frühjahr erst Schatten, wenn man sich welchen wünscht, und im Herbst lässt er die Sonne genau dann schon wieder durch seine Krone, wenn sie schwächer und angenehm wird.

Die Walnuss ist daher der ideale und unübertroffene Hausbaum. Er kommt im Einzelstand am besten zur Geltung.

Walnuss: idealer Hausbaum

Nussbäume entwickeln eine kugelförmige Krone. Bei genauerem Ansehen [am besten ohne Blätter] fällt auf, dass man keinen dominanten Wipfeltrieb finden kann.

Stattdessen gibt es eine Rangelei, wer in der Oberkrone das Sagen hat, ohne Ergebnis. Das ist zwar bei vielen Laubbäumen ähnlich, aber beim Nussbaum besonders ausgeprägt: er leistet sich 20 und mehr Wipfeltriebe.

Das Höhenwachstum kann in der Jugend trotzdem 1 bis 2 Meter pro Jahr erreichen, also mit anderen schnellwachsenden Baumarten mithalten.

Im Winter fällt seine silbrige Rinde auf, sie kann fast weiß werden. Dagegen sind die jungen Triebe dunkel rotbraun, und die alte schuppige Borke wird auch wieder dunkler.

Dadurch entsteht ein markanter Farbkontrast in der Krone. Zudem wirkt der krumme, knorrige Stamm eindrucksvoll. Es gibt fast keinen Walnussbaum mit einem geraden Stamm.

Seine maximale Höhe beträgt meist 20 Meter im Freistand, im Bestand 25 bis 30 Meter. Sein Höchstalter ist etwa 150 Jahre, kaum mehr. Veredelte [gepfropfte] Bäume werden oft sogar nur 50 Jahre alt.

Walnuss: Gekammertes Mark

Wenn man die jungen Zweige schräg anschneidet oder in der Mitte längs aufschneidet, erkennen man im Inneren das gekammerte Mark, ein wichtiges Merkmal, dass es sich tatsächlich um einen Nussbaum handelt.

Und eindrucksvoll sind auch die großen Blattnarben mit einer grinsenden Fratze: beim Abfallen hinterlassen die dicken Blattstiele große Narben auf der Zweigoberfläche.

Die im Blattstiel befindlichen Leitbündel [zur Versorgung der Blätter mit Wasser und zum Abtransport des Zuckers aus ihnen] reißen dann ab und sind fratzenartig angeordnet.

Walnuss: Gefiederte Blätter

Die Blätter des Nussbaumes sind gefiedert, das heißt an einer Blattspindel, dem verlängerten Blattstiel, sitzen 5 bis 9 Fiederblättchen, die alle zusammen das 20 bis 40 Zentimeter große Blatt bilden.

Da im Herbst zusammen mit den Fiederblättchen auch die Blattspindeln abgeworfen werden, ist die Verzweigung der Walnuss sehr grob.

Denn im Grunde genommen fehlt die feinste Verzweigungsordnung, und man kann die Blätter daher auch als Wegwerftriebe bezeichnen. So braucht der Baum keinen Aufwand für ihren Frostschutz zu betreiben.

Die Blätter sind beim Austreiben rotbraun gefärbt, daran kann man Nussbäume um diese Zeit gut von weitem erkennen. Sie fühlen sich lederig und etwas ölig klebrig an, glänzen oberseits matt und duften aromatisch.

Auf der Blattunterseite findet man, zumindest an jungen Blättern, viele kleine Drüsen und in den Nervenwinkeln Gabelhaare, die unter einer stark vergrößernden Lupe [50fach] schön anzusehen sind.

Walnuss: Blüten in Kätzchen

Die männlichen Blüten öffnen sich im April oder Mai in bis zu 15 Zentimeter langen Kätzchen, die vorher nackt überwintern mussten und deshalb vom Spätsommer bis zum Austreiben immer sichtbar, wenn auch noch kompakt sind.

Dagegen erscheinen die unauffälligen weiblichen Blüten erst beim Austreiben mit den Blättern an den neuen Jahrestrieben, und zwar am Sprossende zu 1 bis 5 zusammen [meist zu zweit].

Die Bestäubung besorgt der Wind, daher kann der Nussbaum auf bunte Schauapparate oder Nektardrüsen zum Anlocken von Insekten verzichten und steckt diesen Aufwand später lieber in seine Früchte.

Die ersten Blüten können schon an 5-jährigen Bäumen auftreten, in größerer Zahl ab dem Alter 10.

Die Nuss der Walnuss

Wenn man sich im Sommer die reifenden Früchte am Baum anschaut, ist die Sache mit den Nüssen doch etwas komplizierter.

Um das herum, was man als Nuss auf den Weihnachtsteller legen, ist noch eine dickfleischige grüne Schale vorhanden, die kurz vor der Reife im September oder Oktober aufplatzt und den Kern freilegt, bevor er herausfällt, oder alles zusammen fällt vom Baum.

Würde die grüne Schale nun mit zur Frucht gehören, wäre es eine Steinfrucht wie zum Beispiel die Kirsche. So steht es bisher in fast allen Lehrbüchern.

Neueste Untersuchungen haben nun aber nachgewiesen, dass die fleischige Schale nicht zur Frucht gehört, sondern aus anderen Organen [Blättern] entstanden ist.

Deshalb handelt es sich bei Walnüssen also tatsächlich um Nüsse, die wie Bucheckern und Maronen am Baum von einer grünen Fruchthülle umgeben sind. So kann es auch heute noch zu Umbrüchen in der Botanik kommen, wenn jemand mal genau hinschaut.

Am Hang kann die Frucht weit herabrollen, und wenn sie am Ufer in einen Fluss fällt, wird sie weit fortgetragen, da sie schwimmt. Eichhörnchen, Mäuse, Krähen und andere Tiere legen sich Verstecke mit Walnüssen an, die sie dann zum Teil vergessen, so säen sie Nüsse.

Züchtung: große Nüsse

Genau genommen sind das, was man bei der Walnuss isst, die beiden gefalteten und fleischigen Keimblätter des Embryos.

Dieser ist durch eine echte holzige und eine unvollständige hautartige Scheidewand, die beide kreuzartig zueinander stehen und das so genannte Kreuzchen bilden, in 4 Abteilungen geteilt.

Die Keimung findet im folgenden Frühjahr statt, dazu müssen die Früchte einige Zeit feucht und kalt gelegen haben, was ja in der Natur automatisch durch den Winter und herabgefallenes Laub geschieht.

Dann sprengt der schwellende Embryo die Schale an der Naht auseinander.

Die Keimblätter entfalten sich bei der Keimung nicht, sondern bleiben wie bei Eiche und Kastanie auf dem Boden und werden vom Keimling beim Aufwachsen ausgesogen.

Ursprünglich waren die Nüsse ziemlich klein, nur 2 Zentimeter groß.

Nussbäume wurden aber, wie Äpfel, Birnen und Maronen, von unseren Vorfahren schon seit Jahrtausenden auf größere Früchte gezüchtet, so dass man die Ursprungsgröße kaum noch zu sehen bekommt und man sich an die bis zu 5 Zentimeter großen Nüsse gewöhnt hat.

Rekord ist eine Nuss mit 9 Zentimeter Länge und 6 Zentimeter Breite, die deshalb auch als Riesenwalnuss bezeichnet wird.

Da ihr Inhalt geschmacklich dem aber nicht entspricht, werden solche Nüsse auch Blendernüsse genannt und eher zu Dekorationszwecken verwendet. Größer muss ja nicht immer besser sein.

Walnuss: Keimling und Wurzel

Der Keimling entwickelt zunächst eine imposante Pfahlwurzel, bevor er sich um die oberirdischen Organe kümmert. In den ersten Jahren ist die Wurzel meist deutlich länger als der Spross und extrem empfindlich gegen Beschädigung [zum Beispiel beim Verpflanzen].

Später nimmt das Wurzelwerk eine herzförmige Form an, und im Alter wurzeln Nussbäume relativ flach. Viele oberflächliche Hauptwurzeln streichen dann weit vom Stamm weg, um ein Vielfaches über die Kronentraufe hinaus.

Der Nussbaum spielt vor allem in wärmeren Regionen Südwestdeutschlands und in den Flusstälern eine bedeutsame Rolle als Fruchtbaum und kann im Freistand bis zu 150 Kilogramm Nüsse in einem Jahr produzieren.

Familie der Walnussgewächse

Die Walnuss gehört zur Familie der Walnussgewächse, zusammen mit den weiteren Gattungen Hickory- und Flügelnuss, die in Nordamerika beziehungsweise Asien heimisch sind.

Weltweit gibt es etwa 20 Walnussarten.

Die nah verwandte, in Nordamerika heimische und in Deutschland gelegentlich angepflanzte Schwarznuss wird in ihrer Heimat als king of the forest und als queen of the kitchen bezeichnet.

Walnuss: Vorkommen und Verbreitung

Man findet den Nussbaum in Deutschland eigentlich nur im ländlichen Siedlungsraum und in Weinbaugebieten, aber nicht im Wald, höchstens an Waldrändern oder gelegentlich einzeln in Auenwäldern.

Nennenswerte forstliche Bestände gibt es nur im Südwesten Deutschlands sowie in Frankreich und in der Schweiz.

Die ursprüngliche Heimat des Nussbaumes befindet sich noch weiter weg von hier als die der Rosskastanie, nämlich in Südosteuropa auf der Balkanhalbinsel und in Asien von der Türkei bis zum Himalaja, nach Meinung verschiedener Autoren auch bis nach China und Japan.

Letzteres ist aber nicht ganz genau geklärt und hängt davon ab, ob man andere Nussbaumarten nur als Varietäten der Walnuss einstuft.

Vor und zwischen den Eiszeiten war die Walnuss auch in Mitteleuropa heimisch. Schon vor mehreren Jahrtausenden, in der Jungsteinzeit, wussten die Menschen vom Wert des Nussbaumes und brachten ihn, vor allem zur Zeit der Griechen und Römer, mit nach Süd- und Mitteleuropa.

Karl der Große sorgte um 800 nach Christus maßgeblich für seine weitere Verbreitung auch nördlich der Alpen, wo er heute in wärmebegünstigten Lagen problemlos wächst, regelmäßig reife Früchte trägt und diese auch keimen.

Kaiserin Maria Theresa förderte den Anbau im 18. Jahrhundert durch ihre Order: An jedem Hof soll ein Nussbaum stehen. Angebaut wird er heute auf der gesamten Nordhalbkugel in der gemäßigten Zone, auch in Nordamerika [Kalifornien] und in China.

Sogar in Südschweden gibt es Walnussbäume, ab und zu auch mal mit reifen Früchten.

Weinbaumklima und Frostempfindlichkeit

Nussbäume sind ein guter Weiser für eine gewisse Wärmesumme im Sommer, weshalb sie in Gegenden mit kühlen, feuchten Sommern und auf Nord- oder Osthängen nicht so gut wachsen.

Sie benötigen Weinbauklima, selbst wenn es gelegentlich eher trockenen Weine sind. Vom Klimawandel wird die Walnuss also profitieren. Derzeit ist ihre Höhengrenze in Mitteleuropa bei 1.000 Meter.

Zu beachten ist die Frostempfindlichkeit des Nussbaumes, nicht so sehr gegenüber zu tiefen Winterfrösten [die verträgt er im Alter durchaus bis minus 30 Grad Celsius], sondern vor allem gegenüber Spätfrösten im Frühjahr.

Wenn die Bäume dann schon angefangen haben auszutreiben, frieren die jungen Sprosse ab. Daraufhin treiben zwar schlafende Knospen aus und reparieren den Schaden umgehend, aber die Blüte ist hinüber.

Für Baumfreunde hat der Tag des Baumes am 25. April schon lange eine besondere Bedeutung, bei Bauern und Nussbaumbesitzern gilt dieser Tag [Markustag] zudem als Nusskillertag: wenn es an diesem Tag oder danach noch Frost gibt, ist die diesjährige Nussernte hinüber.

Auch die Früchte und Keimlinge sind frostempfindlich, am besten etwas Laub drüber tun, das hilft meistens.

Walnuss: sehr lichtbedürftig

Nussbäume sind sehr lichtbedürftig und müssen spätestens mit etwa 10 Jahren frei oder im lichten Bestand stehen, sonst gehen sie wieder ein.

Nur in den ersten Jahren ertragen sie Halbschatten. Verpflanzung mögen sie nicht, das heißt man muss auf einen großen Wurzelballen achten und möglichst die Pfahlwurzel intakt lassen, wenn es Erfolg haben soll.

Die Standortansprüche an die Nährstoff- und Wasserversorgung sind als mittel zu bezeichnen, das heißt der Boden sollte nur nicht extrem arm und trocken sein.

Walnussbäume ertragen wochenlange Überflutung und haben daher keine Probleme im Überflutungsbereich von Auen. Allerdings halten sie nicht so lange wie Silberweiden und Schwarzpappeln durch, sondern nach 6 Wochen im Wasser wird es kritisch.

Walnuss: Tiere und Krankheiten

Welche Lebewesen den Nussbaum als Lebensraum oder für andere Zwecke nutzen, ist schwer zu sagen, da es kaum jemand untersucht hat.

Einige Schmetterlinge leben als Raupen auf Walnussblättern und fressen daran, Linienbockkäfer-, Weidenbohrer- und Blausieblarven wohnen in den Zweigen. Eichhörnchen, Mäuse, Krähen sowie andere Vögel und Kleinsäuger fressen gerne die Nüsse.

Der ist Nussbaum sehr robust und wird kaum von Schädlingen befallen. Das äußert sich auch darin, dass die Baumart in den meisten Büchern über Baumkrankheiten gar nicht erst genannt wird.

Gelegentlich fressen Schmetterlingsraupen an den Blättern oder führen Blattläuse zum Blatteinrollend.

Bisweilen treten in Plantagen Bakterien- oder Viruserkrankungen auf und haben Schäden an Blättern zur Folge, zum Beispiel der Kirschenblattrollvirus, oder an den Früchten.

Hallimasch und der Zottige Schillerporling können zu Holzfehlern führen. Der Verbiss durch Mäuse, Kaninchen, Hasen und Reh- sowie Rotwild hält sich aufgrund von abwehrenden Inhaltsstoffen in Grenzen.

Walnuss: edles Holz

Das relativ schwere Holz weist einen breiten graubraunen Farbkern auf, der auch tief schwarzbraun sein oder wolkige Strukturen zeigen kann.

Das macht das Holz so gesucht und treibt den Preis. Die Färbung variiert erheblich und ist vom Alter und Standort abhängig.

Der Bedarf in Deutschland kann nicht annähernd aus eigener Erzeugung gedeckt werden, es handelt sich um eines der wertvollsten Hölzer.

Will man die besonders geschätzten unteren Stammkröpfe von Pfropfungen oder den knolligen Wurzelstock für Maserholz nutzen, werden die Bäume nicht abgesägt, sondern mit den Wurzelstöcken ausgegraben.

Was auch als austopfen oder auskesseln bezeichnet wird und ziemlich ungewöhnlich aussieht. Das gibt es bei keiner anderen Baumart! Nussbaum ist das Holz der Künstler. Es wird für:

  • Furniere,
  • Möbel,
  • Innenausstattungen,
  • kleine Gebrauchsgegenstände,
  • Uhrengehäuse,
  • Musikinstrumente,
  • Parkett,
  • Schachfiguren und
  • Drechslerwaren

…verwendet sowie alles, wofür eine dunkelbraune Färbung erwünscht ist.

Es war und ist charakteristisch für viele Biedermeiermöbel. Was bei anderen Baumarten als Holzfehler zur Entwertung führt, ist bei Walnussholz besonders gesucht [zum Beispiel Krümmungen, Astgabeln, Knollen und Kröpfe].

Es eignet sich als Ersatz für hochwertiges Tropenholz wie Palisander, daher wird seine Bedeutung weiter zunehmen, denn die letzten Tropenholzbestände sind ja inzwischen leider selten geworden.

Walnuss: Nutzung für den Wald

Wer sich jemals eine Flinte oder Büchse zulegt, wird hoffentlich Wert auf den Nussbaumschaft legen, denn es gibt dafür nichts Schöneres als Walnussmaserholz.

Das war schon früher zu Armbrustzeiten so, daher lichtete jeder Krieg die Bestände. Diese und andere Nutzungen führen dazu, dass sich, wenn man es weiß und gut handeln kann, selbst kleinste Nussbaumholzmengen verkaufen lassen, ja sogar krumme Äste nimmt der Holzkäufer noch mit.

Für eine schnelle Holzproduktion ist eine reiche Fruchtentwicklung eher nachteilig, da dafür dann Reservestoffe verloren gehen.

Andererseits eignet sich die Walnuss im Weitstand für Agroforstkulturen, also den Mischanbau von Bäumen mit landwirtschaftlichen Pflanzen.

Walnuss: Übernutzung und Lagerung

Aber noch wichtiger für die Nutzung als das Holz sind die Nüsse. Die Walnuss gehört zusammen mit Haselnuss, Esskastanie und Mandel zum so genannten Schalenobst. Walnüsse fehlen auf keinem Weihnachtsteller.

Nusserwerbsanbau wird in Weinbauklimaten Europas und Asiens, ja sogar Nordamerikas bei Jahresmitteltemperaturen um 10 Grad Celsius seit rund 2.000 Jahren betrieben und erbrachte im Jahr 1978 weltweit eine Ernte von fast 800.000, im Jahr 2005 etwa 1,5 Millionen Tonnen!

Pro Baum und Jahr können bis zu 100 Kilogramm Früchte geerntet werden, das sind bis zu 5.000 Nüsse. 40- bis 80-jährige Bäume tragen am meisten, der Pflegeaufwand ist gering.

In Deutschland war die Walnuss bis vor 100 Jahren viel häufiger als heute, der Bestand ist dann aber durch Übernutzung und fehlende Nachpflanzungen stark zurückgegangen.

In der Schweiz, wo man genaue Zahlen hat, in den letzten 50 Jahren um 75%! Von den vergangenen Zeiten zeugen noch viele Ölmühlen, die früher auch Walnüsse verarbeitet haben.

Zur Lagerung sollte man die Nüsse von der weichen Fruchthülle befreien, mehrere Tage an der Sonne trocknen oder 2 bis 3 Wochen luftig und trocken aufbewahren und wenden.

Durch die Trocknung muss sich das Gewicht etwa um die Hälfte verringern. Das ist unbedingt zu beachten, da die Nüsse sonst schimmeln können. Danach kann man sie in luftdurchlässigen Netzen kühl ein Jahr aufbewahren.

Die Keimfähigkeit geht allerdings bereits nach 6 Monaten verloren. Längere Lagerung bis zu 3 Jahren ist bei Tieffrieren der Samen ohne Schale möglich. Unreife Nüsse werden schon im Juli zur Likörherstellung geerntet, sie sind dann noch unverhofft.

Walnuss: 100 Varietäten

Aufgrund der Nussform und der Baumgestalt werden mehr als 100 Varietäten der Walnuss unterschieden, zum Beispiel die Große Steinnuss, die Kleine Runde oder die Riesenwalnuss.

Spät austreibende Varietäten haben Vorteile gegenüber Spätfrösten. Auch bestimmte Sortenbezeichnungen haben sich wie im Obstbau eingebürgert, zum Beispiel sind von besonderer Qualität Seifersdorfer Runde, Moselaner Walnuss, Spreewalder Nuss, Rote Donaunuss und Esterhazy.

Im professionellen Nussanbau werden die Bäume veredelt, das heißt es wird ein Zweigstück besonders ertragreicher Bäume auf eine junge Nussbaum unterlage gepfropft, so dass beide miteinander verwachsen. Walnüsse sind wegen ihrer Nähr- und Inhaltsstoffe etwas ziemlich Einmaliges. Sie enthalten etwa:

  • 60 Prozent Fett,
  • 20 Prozent Eiweiß,
  • viel Vitamin B1 und C,
  • Spuren von Vitamin B2,
  • A und E sowie
  • reichlich Mineralstoffe [u.a. Kalium, Kalzium, Eisen, Magnesium, Phosphor].

Daher genügen wenige Walnüsse in der Tasche für eine Tagesration als Notanker in Krisenzeiten. Jeden Tag zwei Walnüsse essen soll sich durchschlagend positiv auf das Befinden auswirken.

Nüsse von starkwüchsigen Bäumen sind nicht so aromatisch wie solche von langsamer wachsenden, und es gibt große Unterschiede zwischen den Varietäten und Herkünften.

Sie werden für Backwaren, Eis, Konfitüren und Mus verwendet, und man kann eines der hochwertigsten Öle daraus herstellen, aus 5 Kilogramm Nüssen 1 Liter Öl.

Walnuss: vielfältige Verwendung

Halbreife, bis Ende Juni gesammelte Walnüsse und Nusslaub gehören zu den Vitamin C-reichsten Pflanzenteilen überhaupt, Gehalt bis 1Prozent und damit doppelt so hoch wie bei Orange und Zitrone.

Aus den grünen Fruchthüllen, Blättern und der Rinde werden Gerb-, Beiz- und Färbemittel hergestellt. Oder Nussöl aus den Kernen für die Ölmalerei.

Mit Blättern und Fruchthüllen lassen sich Haare braun färben, manchmal werden sie dann allerdings auch schwarz, Walnussschalenextrakt wird für Bräunungscremes sowie für Haut- und Massageöle verwendet.

Vorsicht, wenn man sich die ganzen Früchte mit der fleischigen Fruchthülle in die Hosentasche stecken. Die Hose könnte man dann wegwerfen, oder besser man sollte es tun, denn die Fruchthülle ist ein altbekanntes intensives Färbemittel für Brauntöne.

Walnuss: medizinale Wirkung

Die medizinale Wirkung ist überwältigend. Die Inhaltsstoffe des Nussbaumes gelten als:

  • blutreinigend,
  • wurmtreibend,
  • nervenstärkend,
  • schweißregulierend,
  • leistungssteigernd,
  • heilend und
  • konzentrationsfördernd.

Bei Hautkrankheiten [Ekzemen, Ausschlägen, Akne, Herpes] nützt Walnussblättertee, über längere Zeit 2 bis 3 Tassen täglich.

Auch gegen innere Krankheiten ist der Tee hilfreich, wie auch Walnussbäder. Aus den Fruchthüllen kann man ein Haut- und Massageöl herstellen.

Der Samen wurde aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem menschlichen Gehirn früher gegen Gehirnerkrankungen eingesetzt und genoss als gedächtnisstärkendes Mittel Ansehen.

Mit dem Duft zerriebener Blätter wurden Krankenzimmer parfümiert. Gegen männliches Unvermögen hilft eine Tinktur aus Walnussschalen, -rinde und Weingeist, aber die Mischung muss stimmen.

Walnuss: Bachblüten und Tabak

Walnussessenz ist in der Bachblütentherapie gut für Menschen, die neue Wege einschlagen und die Vergangenheit hinter sich lassen wollen. Da ist also im Jahr der Walnuss einiges zu erwarten. Es gibt Rezepte für:

  • Walnussblättertee,
  • Walnussblätteraufguss,
  • Walnussblätterbad,
  • Walnussblätterwein,
  • Walnussschalensirup,
  • Walnussschalenhautöl,
  • Walnussgeist,
  • Walnusslikör,
  • Walnusswein,
  • Walnusskorn,
  • Walnusskätzchensalbe und
  • Walnusshaarkur.

Einige Rezeptbücher befassen sich ausschließlich mit Walnüssen, es gibt also eine ungeheure Vielfalt der Verwendung. Wenn man in eine Internetsuchmaschine die Begriffe Walnuss und Rezepte eingibt, kommen über 500.000 Meldungen.

Nusskreuzchentee wird aus der inneren Kammerwand der Walnüsse hergestellt und wirkt entspannend und gegen Herzschwäche.

Nussbaumblätter sind in schwierigen Zeiten ein guter Tabakersatz. Und etwas ganz Besonderes ist der Nußbacher Nussgeist aus Nußbach in Oberösterreich, ein Ort, der sich ganz der Walnuss und der Likörproduktion verschrieben hat.

Walnuss: Volkserotik und Name

Der majestätische Habitus und der ergiebige Fruchtertrag haben den Nussbaum seit alters her mit Königswürde und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht, das lateinische Beiwort regia bedeutet königlich.

Schon die Griechen sahen die Walnuss als Speise der Götter und Sinnbild der Fruchtbarkeit. Der Gattungsname Juglans leitet sich von dem lateinischen Jovis glans ab, zu Deutsch Jupitereichel.

Wegen des etwas erotischen Aussehens des Nussembryos spielt die Baumart schon lange eine Rolle in der Volkserotik und bei Hochzeitsbräuchen.

Der deutsche Name Walnuss hat sich aus Welschnuss entwickelt, womit auf die Herkunft der Baumart in Deutschland über Italien aus Frankreich hingedeutet wird: sie wurde im 8. Jahrhundert von den Galliern mitgebracht, die damals Welschen genannt wurden, die Gallier kennen Sie ja von Asterix.

Walnuss: Inhaltsstoff Juglon

Walnussbäume vertreiben lästige Insekten wie Mücken und Fliegen von Haus und Hof, daher wurden und werden sie möglichst nah ans Haus gepflanzt.

Mit grünen Walnussblättern kann man Ungeziefer aus Kleiderschränken und Betten fernhalten. Hundezüchter sagen, an jedem Hundezwinger sollte ein Nussbaum stehen, da er Flöhe und andere Parasiten vertreibt.

Nussbäume beseitigen lästige Konkurrenten im Bereich ihres Standortes wie von Geisterhand durch den Inhaltsstoff Juglon in Blättern und Wurzeln, der nach deren Zersetzung freigesetzt wird und die Keimung einiger Pflanzenarten verhindern kann.

Besonders bekannt ist diese Erscheinung beim nahe verwandten, aus Nordamerika stammenden Schwarznussbaum, bei der Walnuss hingegen ist die Wirkung nicht so deutlich.

Auf keinen Fall ist es so, wie es in manchen Büchern steht, dass unter einem Walnussbaum nichts wächst.

Allelopathie und Nussknacktechniken

Aber eigene Versuche haben tatsächlich ergeben, dass Keimlinge anderer Arten absterben, wenn man Walnussblatt- oder -wurzelpulver im Gießwasser auflöst und die Keimlinge damit gießt.

Diese Erscheinung wird als Allelopathie bezeichnet und ist ein besonders interessanter Mechanismus der Konkurrenz unter Pflanzen.

Die Technik des Nüsseknackens beschäftigt die Menschen, seit sie Walnüsse essen. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten: die Schlag-/Stoßmethode, das Schraub-, das Bohr- und das Hebel-/Zangenprinzip – für jede Variante wurden ausgetüftelte Geräte entwickelt.

Wer noch etwas mehr Kult mit der Walnuss betreiben will, sollte anfangen, Nussknacker aus dem Erzgebirge zu sammeln. Damit hat man bis ans Lebensende zu tun, denn es gibt schon jetzt über 1.000 verschiedene Typen, und jedes Jahr kommen neue hinzu.

Walnuss: Holzkünstler

Die Holzkünstler im Erzgebirge schaffen es außerdem, in halben Walnussschalen ganze Miniaturwelten unterzubringen oder Minipyramiden daraus zu bauen.

Werfen zwei Liebende Walnüsse ins Feuer und die bleiben geschlossen, so ist eine glückliche Ehe zu erwarten, platzen sie auseinander, so ist das Scheitern der Beziehung zu befürchten.

Die Walnuss galt zudem als Symbol der Unsicherheit im Ehestand: Niemand weiß, was in der Nuss zu finden ist, süß oder bitter.

Die Walnuss im Baumhoroskop

Nuss Menschen, nach dem Keltischen Baumhoroskop vom 21. April bis 30. April oder vom 24. Oktober bis 2. November geboren, gelten als unbeugsam, geben alles für ihre Ziele und machen sich selbst unglücklich, wenn sie sich im Partner geirrt haben und das nicht akzeptieren wollen.

Walnussbäume sind zudem gut für Menschen, die zu sehr nach außen orientiert sind. Dieser Baum richtet die Wahrnehmung nach innen, man lernt durch ihn, zu sich selbst zu kommen.

Wenn man Entscheidungsschwierigkeiten hat, hilft es, mit einem Walnussbaum zu meditieren.

Walnuss: Märchen und Bräuche

In dem Märchen Allerleirauh von den Gebrüdern Grimm, oder von Ludwig Bechstein Das Nusszweiglein ist im ersterem eine Walnussschale und in letzterem ein Nusszweig schicksalsbestimmend.

Ein schöner Brauch: von immer 10 Walnüssen, die man knackt und essen will hebt man eine auf.

Steckt sie in die Erde eines Blumentopfes mit einer Moosschicht drauf, stellen den Topf an einen kühlen Ort [0 bis 4 Grad Celsius], wo er vor starkem Frost, Austrocknen und Mäusen geschützt ist.

Im April stellt man ihn raus, immer mal gießen, und dann geht im April etwas Aufregendes los.

Man wird dann Zeuge eines keimenden Walnussbaumes, und den pflanzt man bald, spätestens im Herbst, als einen Hausbaum an eine geeignete Stelle!

Oder man legt die Nuss gleich irgendwo im Garten, wo der Nussbaum später stehen soll, unter eine dicke Laubschicht und wartet. [FBdJ, Erich Ferdinand Foto]

 

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