Winterlinde: Baum des Jahres 2016

Die Winterlinde [Tilia cordata] ist Baum des Jahres 2016: Die Baum des Jahres Stiftung würdigt damit ein Gehölz mit den vielfältigsten Verwendungsmöglichkeiten, der höchsten Wertschätzung und der größten Bedeutung in der Mythologie.

Linden sind die häufigsten Bäume Deutschlands und Mitteleuropas in Stadt und Landschaft: Es gibt keinen Baum, der mehr mit der Liebe des Menschen verbunden ist und das alleine ist schon eine Kostbarkeit.

Winterlinde und Sommerlinde

Die Linde – wer kennt und wer liebt sie nicht? Am bekanntesten sind sicherlich die beiden Schwestern: die starkwüchsige Sommerlinde [Tilia platyphyllos] und die etwas zierlichere Winterlinde.

Der augenfällige Unterschied zwischen den beiden Gehölzen liegt in deren Wuchshöhe und in der Form der Blätter.

  • Die Winterlinde wird nur etwa 15 bis 25 Meter hoch, ihre großen, fast kreisrunden Blätter und ihr hoher Wuchs geben so viel Schatten, dass diese Bäume früher häufig an Dorfplätzen oder kultischen Orten angepflanzt wurden.
  • Sommerlinden hingegen können über 40 Meter hoch wachsen, ihre Blätter sind herzförmig und bis zu zwölf Zentimeter lang.

Die Krone der Winterlinde hat die Form eines Herzens mit der Spitze nach oben und ist ein beliebter Lebensraum von Vögeln, Pilzen und der Laubholzmistel. Mit ihrer leuchtend goldgelben Herbstfärbung ist sie der Schmuck vieler Gärten und Parks.

Die Winterlinde: in Europa zuhause

Das Heimatareal der Winterlinde erstreckt sich über fast ganz Europa – im hohen Norden gibt es sie nicht. Die Geschwister unterscheiden sich durch ihre Ansprüche an Licht, Wasser, Wärme und Nährstoffe. Grundsätzlich ist die Sommerlinde die anspruchsvollere.

Der Stamm der Linden kann mehrere Meter dick werden: Eine der wohl stärksten Winterlinden steht bei Rochlitz [Sachsen] mit einem Stammumfang von etwa neun Metern. Wird eine Winterlinde gefällt, treibt sie sehr stark aus dem Stock wieder aus.

Ihre Blüten öffnen sich zur Freude der Imker erst im Juli und schon von weitem kann man dann ihren charakteristischen Honigduft wahrnehmen.

Linden haben eine hohe Schattentoleranz, die bei der Forstwirtschaft von großer Bedeutung ist, da sie auch unter älteren, großen Bäumen gedeiht. So werden beispielsweise die Stämme von Eichen ummantelt und dadurch astfrei gehalten.

Das Holz von Winterlinde und Sommerlinde ist auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden: Es ist hell, weich, relativ leicht und bestens als Schnitzholz geeignet. Darum wurden früher die meisten Altar- und Wandfiguren in Kirchen daraus gefertigt.

Linden in Dörfern und Städten

Als Stadtbaum ist die Linde sehr beliebt und geeignet für Alleen, Parkplätze, Parks, Promenaden, Fußgängerzonen, Entrees großer Gärten oder als Hausbaum. Sie ist sehr anspruchslos und tolerant, was den Standort angeht.

Linden haben kaum Krankheiten oder Schäden und erreichen ein hohes Lebensalter von bis zu 1.000 Jahren.

Ärgerlich kann allerdings der aus Lindenkronen tropfende Honigtau werden: Diese Zuckerwasser-Tröpfchen sind zwar vollkommen unschädlich, machen aber Fahrräder, Autos und Bänke für kurze Zeit klebrig. Der Belag ist jedoch mit Wasser leicht abzuwaschen.

Dorflinden, Gerichtslinden, Kirchlinden, Tanzlinden und Hoflinden – aber auch Sagen und Gebräuche zeugen von einer jahrhundertelangen vielseitigen Bedeutung der Bäume in Deutschland.

Der häufigste Gasthausname in Deutschland ist heute mit über 1.000 Nennungen immer noch Zur Linde und auch zahlreiche Orts- und Personennamen gehen auf die Gehölze zurück.

Tanzlinden und Symbolik

Tanzlinden sind etwas besonders Schönes: In die Krone eines Baumes wurde früher häufig ein Tanzboden eingebaut, den man über Treppen oder Leitern erreichte.

Besonders schöne Exemplare, in denen auch heute noch gefeiert wird, stehen in Effelder [Thüringen] und Effeltrich [Bayern]. In Limmersdorf [Oberfranken] gibt es sogar ein Tanzlindenmuseum.

Die Linde ist auch das Symbol ehelicher Liebe, der Güte, der Gastfreundschaft und Bescheidenheit. Diese Bedeutungen sollen auf die Erzählung von Philemon und Baucis, Gestalten der griechischen Mythologie, zurückgehen:

Das alte Ehepaar wünschte sich nichts mehr, als gemeinsam zu sterben, damit keiner von ihnen den Tod des anderen erleben müsse: Zeus erfüllte ihnen diesen Wunsch und als der Tod zu ihnen kam, verwandelte er die beiden in Bäume: Philemon in eine Eiche und Baucis in eine Linde. [FBdJ, Roloff Foto]

 

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