Igel im Garten fressen auch Schnecken

Was raschelt, grunzt und schmatzt denn da? Eher hört man Igel im Garten, als dass man sie denn unmittelbar zu Gesicht bekäme.

Doch nicht nur ihre heimliche Lebensweise schürt die Neugierde auf Meckis: Auch neues Wissen über die Stachelritter macht es interessant, sie in den eigenen Garten zu locken.

Igel sind Gartenbesitzers Liebling: Ein jeder von ihnen freut sich darüber, sie im Garten zu haben – als Sympathieträger, als Schneckenverzehrer. Wie wirksam aber beseitigen Igel Schnecken tatsächlich?

Igel im Garten fressen auch Schnecken

Igel sind nicht die viel gepriesenen Schnecken-Fressmaschinen, als die sie häufig dargestellt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen über ihr Nahrungsspektrum weisen das aus:

Zu etwa einem Drittel besteht ihr natürlicher Speiseplan aus Regenwürmern, zu bis zu zwei Dritteln aus Insekten, Kerbtieren, Kleinsäugern, Vogeleiern und Jungvögeln – und eben Schnecken.

Schnecken machen aber nur etwa zehn Prozent der Igelnahrung aus. Zudem haben die Tiere offenbar geschmackliche Vorlieben:

Die Nacktschnecken Tigerschnegel [Limax maximus], Boden-Kielschnegel [Tandonia budapestensis] und jüngere Exemplare der Gartenwegschnecke [Arion hortensis] verspeisen sie gerne, Wegschnecken [Arion] umgehen sie eher.

Allerdings ist der Igel hierzulande das einzige Säugetier, das ausgewachsene Kapuzinerschnecken [Arion vulgaris] – auch Spanische Wegschnecke genannt – frisst. Bis zu einer halben Stunde dauert es allerdings, bis sie sie vor dem Verzehr fein säuberlich entschleimt haben.

Igel: Nahrung und Fortpflanzung

Rund 200 Gramm Nahrung nimmt ein Igel von April bis Oktober tagtäglich auf.

Die Saison ist kurz, und vor dem Winterschlaf soll Speck auf die Rippen. Auch die Fortpflanzung muss zwischen Mai bis September erledigt sein:

Etwa fünf bis acht Junge umfasst ein Igelwurf und es sind speziell die kleinen Septemberigel, welche die kritische Gewichtsmarke von mindestens 600 Gramm Körpergewicht vor Wintereinbruch oft noch nicht erreicht haben.

Ausgewachsene Igel müssen mindestens 1.000 Gramm auf die Waage bringen, um die kalte Jahreszeit unbeschadet überleben zu können.

Unterernährte Herbstigel sind gefährdet, im Winterschlaf zu verhungern: Von sieben Jungigeln überleben den Winter wegen Nahrungsmangel meist nur zwei!

Hilfe für den Igel im Garten

Hierzulande gilt der Igel als ein Symboltier des naturnahen Gartens. Im Englischen heißen sie übrigens hedgehogs, zu Deutsch: Heckenschweine.

Das verweist auf ihre Angewohnheit, ihren hauptsächlichen Lebensbereich auf der Suche nach Futter grunzend und schmatzend zu durchstöbern.

Es sind aber genau diese üppigen Heckenareale am Waldrand, in der Landschaft und in der eigenen Gartennachbarschaft, die aus Gründen der Pflegeleichtigkeit immer weniger werden.

Es gibt kaum noch Reisighaufen, unter denen die Säugetiere ihre Jungen sicher gebären können und wo hinein sie sich zum Winterschlaf zurückziehen könnten.

Keine dicken Laubschichten, die sie mit ihrem rüsselspitzen Schnäutzchen nach für sie leckeren Viechereien durchstöbern könnten.

Fütterung von Igeln im Garten

Eine Zufütterung durch den Menschen bedeutet Ernährungssicherheit und wird von vielen wilden Gartentieren zunehmend häufig gebraucht. Sie sollte allerdings nur eine Ergänzung zu natürlichen Futterquellen sein.

Igel und Eichhörnchen mit artgerechtem Spezialfutter zu unterstützen, so wie das bei Gartenvögeln längst Gang und Gäbe ist, hat für Mensch und Tier wechselseitige Vorteile:

Freude am Tier und Schneckenvertilgung als Plus für den Menschen, sicherere Ernährungslage und sogar Überlebenshilfe auf der Seite der Igel.

Für Igel geeignetes Mischfutter aus dem Fachhandel – sei es für die unterstützende Zufütterung oder zum Aufpäppeln von schwachen Tieren und September-Spätlingen – enthalten im wesentlichen Getreide, Honig, Nüsse, Mineralstoffe, Insekten, Weich- und Krebstiere sowie Früchte.

Zusätzlich kann Feuchtnahrung [etwa Katzenfutter] angeboten, sowie den Tieren im Garten abends ein Napf mit Wasser bereitgestellt werden. Das ist besonders an heißen Sommertagen, wenn es lange nicht geregnet hat, entscheidend.

Barrierefreie Gärten für Igel

Wichtig ist es auch, eine gewisse Barrierefreiheit des Gartens sicher zu stellen, damit Igel sich ihre natürlichen und vom Menschen angebotenen Nahrungsquellen ungehindert und sicher erschließen können.

So sollten Zäune es zulassen, dass sie unter ihnen hindurch schlüpfen können.

Gartenteiche so gestaltet sein, dass hineingefallene Tiere sich an flachen Stellen eigenständig aus ihnen retten können und Kellerschächte und andere tückische Fallgruben igelsicher abdeckt werden.

Unterschlupf für Igel im Garten

Auch hilft es den Tieren, ihnen an einem geschützten Gartenplatz ein Igelhaus als Unterschlupf und Überwinterungsstätte anzubieten, denn es gibt einen Zusammenhang zwischen Nahrungsmangel und dem winterlichen Kältetod der Igel.

Sind die Nahrungsquellen knapp, sind die Gartentiere bis in den November hinein auf Futtersuche. Dadurch verlieren sie wertvolle Zeit für den jetzt eigentlich längst erforderlichen Nestbau.

Wird das Winterquartier aber aus Zeitmangel zu wenig gepolstert, erfrieren viele Igel deswegen in der Frostperiode. [Welzhofer, GTD Foto]

 

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