Kleines Knabenkraut

Kleines Knabenkraut wurde von den Arbeitskreisen Heimische Orchideen Deutschlands (AHO) zur Orchidee des Jahres 1991 gewählt, um zum Schutz gerade dieser Art aufzurufen.

Sie ist besonders vom Verlust ihrer angestammten Standorte betroffen und in weiten Gebieten bereits ausgestorben. Beschrieben wurde die Art bereits im Jahr 1753.

Typisch für diese Art ist der grün gestreifte Blütenhelm, der sie ihren griechischen Namen (Narr) verdankt. Der heute überwiegend verwendete deutsche Name nimmt Bezug auf die geringe Wuchshöhe der Pflanzen.

Kleines Knabenkraut

Diese Art entwickelt bereits im Herbst kräftige ungefleckte Rosettenblätter, die breit lanzettlich und entlang des Mittelnervs nach oben gefaltet sind.

Aus ihnen treibt im zeitigen Frühjahr ein Stängel mit aufrechten Scheidenblättern, von denen das oberste fast den Blütenstand erreicht.

Der lockere Blütenstand ist allseitig zylindrisch und trägt 7 bis 20 Blüten. Die Pflanzen erreichen eine Höhe zwischen 20 und 40 Zentimeter.

Die Blütenfarbe ist variabel zwischen hellrosa, und dunkelviolett, selten reinweiß. Die Lippe ist angedeutet dreilappig, die Seitenlappen sind herab geschlagen.

Die Vorderlippe und die Seitenlappen sind ausgerandet, letztere auch leicht gezähnt. Die Lippenmitte ist aufgehellt bis fast weiß und trägt dunkle Farbpunkte, genannt Saftmale.

Die Kronblätter neigen sich helmartig zusammen. Die seitlichen Kronblätter zeigen grünliche bis grünviolette Adern, die für diese Art typisch sind.

In Deutschland kommen anders als im Mittelmeerraum keine verwandten Arten vor, mit der sie verwechselt werden könnte. Hybriden sind bekannt mit Anacamptis pyramidalis und Orchis coriophora.

In Deutschland sind aber gemeinsame Standorte dieser Arten sehr selten.

Kleines Knabenkraut: Standort

Die Blütezeit beginnt in günstigen Lagen bereits Ende April und endet Mitte Mai.

Die Variabilität ist auf die Größe der Pflanzen und vor allem die Färbung der Blüten beschränkt. Die Färbung schwankt auch innerhalb einzelner Populationen von hell bis intensiv violett in allen Schattierungen.

Auch die Lippenfaltung ist unterschiedlich.

Kleines Knabenkraut war früher in ganz Deutschland verbreitet, ist inzwischen aber in Niedersachsen und den Stadtstaaten Hamburg und Bremen ausgestorben. Reliktstandorte gibt es noch in:

  • Schleswig-Holstein,
  • Mecklenburg-Vorpommern,
  • Berlin,
  • Brandenburg,
  • Sachsen,
  • Thüringen und
  • Nordrhein-Westfalen.

In den übrigen Bundesländern sind noch etliche Standorte mit teilweise größeren Populationen vorhanden. Der rechnerische Rückgang der Standorte bis zum Jahr 1950 beträgt etwa 75 Prozent.

Lebensraum und Schutz

Die Art besiedelt Zwergstrauchheiden, Mager- und Halbtrockenrasen sowie Frischwiesen. Sie gedeiht auf mäßig frischen, basenreichen und auch mäßig sauren, humosen Lehm-, Ton- und Lößböden. Sie ist nicht an Kalk gebunden.

Es handelt sich um eine konkurrenzschwache Art, die intensive Beweidung und Düngung mit organischem Material und Kunstdünger nicht verträgt, auch nicht eine dichte Grasdecke.

Dies erklärt den Verlust vieler Standorte in den letzten 100 Jahren vor allem in Norddeutschland. Auch hat sich die Trockenlegung von Flußauen, die Intensivierung der Landwirtschaft und die Bebauung fatal ausgewirkt.

Inwieweit auch der Stickstoffeintrag aus der Luft für den Verlust von Standorten eine Rolle spielt, ist nicht genau geklärt.

Dieser begünstigt aber die Begleitvegetation, so dass in den geschützten Biotopen das Mähgut entfernt werden muss, um eine Anreicherung von organischen Material zu vermeiden.

Auch muss eine Verbuschung der Standorte vermieden werden. [AHO, Foto]

 

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