Charta Zukunft Stadt und Grün

Mehr Lebensqualität durch urbanes Grün“ – dafür setzt sich ein breites, branchenübergreifendes Bündnis aus Verbänden, Stiftungen und Unternehmen in der gemeinsamen Charta Zukunft Stadt und Grün ein.

Charta Zukunft Stadt und Grün

Die Unterzeichner kritisieren, dass Politik und Verwaltung die Chancen auf eine zukunftsgerechte Stadtentwicklung durch lebendiges Grün vielfach ungenutzt lassen und damit den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach mehr Grün in den Städten ignorieren.

Die Bündnispartner fordern deshalb die Verantwortlichen auf Bundes- sowie regionaler und kommunaler Ebene zu einer Neuausrichtung der Städtebauförderung auf.

Zudem regen sie eine stärkere Zusammenarbeit von Akteuren aus unterschiedlichen Handlungs- und Politikfeldern sowie zwischen Verwaltung und Organisationen der Zivilgesellschaft an.

Breiter Unterstützerkreis

Initiatoren der Charta sind der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. [BGL] und die Stiftung Die Grüne Stadt.

Zu den insgesamt 21 Erstunterzeichnern zählen unter anderem der Nabu – Naturschutzbund Deutschland e.V., der Zentrale Immobilien Ausschuss e.V. [ZIA] sowie der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten e.V. [Bdla].

Ökologisch, ökonomisch, sozial

Eiko Leitsch, BGL-Vizepräsident und Mitglied im Kuratorium der Stiftung Die Grüne Stadt, stellt heraus: „Die Politik weiß zwar um die Bedeutung einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Diese wird jedoch viel zu einseitig diskutiert und auf technische Lösungen reduziert.”

Ein Anliegen der Charta sei es daher, den vielfältigen Nutzen von urbanem Grün in den Mittelpunkt zu rücken:

„Stadtgrün ist nicht nur schön anzusehen, sondern bietet einen ökologischen, ökonomischen und sozialen Mehrwert, der sich rechnet.”

Grün auf Freiflächen und Dächern mildert die Folgen des Klimawandels, zum Beispiel bei Starkregen und Hitzewellen, und reduziert die Feinstaubbelastung.

Parks und Grünflächen sind beliebte Erholungs- und Fitnessräume für gestresste Stadtbewohner – und wichtige Begegnungsräume für Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft.

Olaf Tschimpke, Präsident des Nabu, betont die Bedeutung vielfältiger grüner Städte für Mensch und Natur: „Abwechslungsreich gestaltete Parks und Grünanlagen, aber auch naturnahe Bereiche und Sukzessionsflächen – diese grüne Vielfalt macht Städte besonders lebenswert.”

Für Tschimpke sind folgende Fragen zentral: „Wie viel Grün braucht die Stadt um lebenswert zu sein, wie viel Verdichtung verträgt sie, um den Landschaftsverbrauch im Umland zu reduzieren.”

Andrea Gebhard, Präsidentin des Bdla, fordert: „Im Zuge einer weiteren Verdichtung und Nachverdichtung vieler Städte sind nicht nur die Quantität und Qualität der öffentlichen Räume, sondern auch der Freiflächen von Wohnungs- und Gewerbebauten sowohl in funktionaler, ökologischer und gestalterischer Hinsicht zu sichern.”

Ein Weniger an freiräumlicher Quantität müsse durch ein Mehr an Qualität kompensiert werden, sagte Gebhard weiter. Sie verweist auf das positive Beispiel der Stadt München.

Fördermittel für Grünprojekte

Die Charta Zukunft Stadt und Grün benennt in insgesamt acht Wirkungs- und Handlungsfeldern die vielfältigen Lösungsbeiträge von urbanem Grün für eine nachhaltige Stadtentwicklung:

  • Abmilderung der Folgen des Klimawandels,
  • Gesundheitsförderung,
  • Sicherung sozialer Funktionen,
  • Steigerung der Standortqualität,
  • Schutz des Bodens, des Wassers und der Luft,
  • Erhalt des Artenreichtums,
  • Förderung von bau- und vegetationstechnischer Forschung sowie
  • Schaffung gesetzlicher und fiskalischer Anreize.

Die Unterzeichner fordern die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, aber auch in Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft auf, ihr Engagement für den Einsatz von urbanem Grün gezielt zu verstärken.

Eine zentrale Forderung der Charta ist, die Städtebauförderung mit dem Ziel einer klima- und umweltfreundlichen Stadtentwicklung angemessen auszustatten und dafür die Fördermittel für Grünprojekte auf den Ebenen EU, Bund und Ländern zu erhöhen.

Darüber hinaus fordern die Unterzeichner, gesetzliche und fiskalische Anreize für gewerbliches und privates Grün zu schaffen, zum Beispiel für die Nutzung von Fassaden- und Dachgrün, sowie eine Reduzierung der Kanalgebühren nach Versiegelungsgrad. [DGS, Foto]

 

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