Anis als Heilpflanze: Medizin und Genuss

Die ersten Belege für die Verwendung von Anis als Heilpflanze gehen bis weit ins Altertum zurück: Ausgrabungen auf der griechischen Insel Santorini lassen einen Gebrauch von Anis bereits im 16. Jahrhundert vor Christus vermuten.

Anis als Heilpflanze

Anis war Bestandteil des Theriak, einer Wunderarznei, die laut Plinius [23 n. Chr.] gegen alle Krankheiten und Vergiftungen wirksam sein sollte.

Bei den Römern war Anis als Verdauungshilfe bekannt. Sie benutzen gezuckerte Anisfrüchte nach üppigen Mahlzeiten.

Wie viele andere Heilpflanzen auch, sollen Benediktinermönche den Anis mit nach Europa gebracht haben, wo er dann in vielen mittelalterlichen Schriften lobend erwähnt wird:

  • Paracelsus [1493 bis 1541] nennt ihn zusammen mit Fenchel und Christrose als Stärkungsmittel in einer Abführ-Rezeptur.
  • Hieronymus Bock [1498 bis 1554] verweist auf Anis als Mittel gegen Wassersucht, Magenbeschwerden oder Schluckauf.
  • Leonhard Fuchs [1501 bis 1566] schreibt in seinem Kräuterbuch: „Ist nutz jngenomen den wassersüchtigen, unnd vertreibt das aufbleen des bauchs. Er ist auch gut zu den gifftigen thieren, auff ihre biß gelegt.“
  • Viel später verwendete Christoph Wilhelm Hufeland [1762-1836] Anis als schleimlösendes, milchtreibendes und magenanregendes Mittel.

In Lexika und Fachbüchern aus dem 19. Jahrhundert bezeichnete man den Spanischen oder Alicantischen Anis als „der beste, welchen man auch am theuersten bezahlt …“ und welcher „…sehr süß und gewürzhaft“ ist.

Die Droge Anis

Als Droge im pharmazeutischen Sinn werden durch Trocknung haltbar gemachte pflanzliche oder tierische Stoffe bezeichnet, die zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet werden.

Die Droge Anis ist eine graubraune Spaltfrucht: Sie ist 2 bis 4 Millimeter lang, verkehrt birnenförmig mit fünf nicht sehr deutlich hervorspringenden Rippen und fein behaart.

Auch im reifen Zustand zerfällt sie vorwiegend nicht in ihre Teilfrüchte. Oft befindet sich noch der dünne, leicht gebogene Fruchtstiel an der Frucht.

Die Früchte der meisten Doldenblütler ähneln sich: Gelegentlich kommt es zu Verunreinigungen durch Koriander- oder Petersilienfrüchte.

Beimischungen durch den giftigen Gefleckten Schierling [Conium maculatum] sind jedoch eher selten, da Anis fast ausschließlich aus angebauten Kulturen gewonnen wird.

Erkennbar sind die Früchte des Schierlings durch die in Teilfrüchte zerfallenden, kahlen Samen, die deutlich hervortretende, wellig gekerbte Rippen aufweisen und unangenehm nach Mäusen riechen.

Anis: Medizin, Kosmetik, Genuss

Anis wirkt expektorierend, schwach spasmolytisch, antibakteriell und fördert die Speichel- und Magensaftsekretion und wird deshalb bei dyspeptischen Beschwerden und Katarrhen der Luftwege empfohlen.

Die Erfahrungsheilkunde setzt ihn außerdem bei stillenden Müttern zur Förderung des Milchflusses ein.

Ferner wird Anis zum Aromatisieren von Zahnpasten, Mundwässern und von Pfeifentabak verwendet, sowie zum Verdecken unangenehmer Gerüche in Arzneimitteln und kosmetischen Produkten.

In Mexiko ist er als Mittel bei Menstruationsbeschwerden bekannt und in Marokko ist Anis mit Sesam und Honig vermischt ein wohlschmeckendes Medikament gegen Erkältungen.

Der mit Anis und anderen Kräutern geschmacklich aufgewertete Absinth kam im 19. Jahrhunderts als Anregungsmittel in Mode.

Wegen des häufigen Missbrauchs und des vermutlich minderwertigen Alkohols, welche den Absinthismus auslösten, wurde er zu Beginn des 20. Jahrhundert verboten. Erst 1998 ist das Verbot des Absinth-Schnapses innerhalb der EU wieder aufgehoben worden.

Dass sich Anis in der Küche wiederfindet, ist geradezu zwangsläufig: Der Geruch der Anisfrüchte wird als eigenartig würzig und der Geschmack mit süßlich aromatisch, oft auch lakritzähnlich, beschrieben.

Anis in der Tierwelt

Vierbeinige oder geflügelte Gefährten der Menschen scheinen den Anis ebenfalls zu mögen: Nach alten Überlieferungen heißt es, dass man Haustieren wie Pferden und Hunden Anis zur Gesunderhaltung in das Futter mischte.

  • Sogar Mausefallen wurden mit ihm parfümiert, um die kleinen Nagetiere anzulocken.
  • Taubenzüchter verwenden seit langem Anis, um neu gekaufte Tauben an den Schlag zu gewöhnen, woher auch der volkstümliche Name Taubenanis stammt.
  • Eine altbewährte Methode bei der Jagd auf Rot- oder Schwarzwild ist das Anlocken durch auf Baumstümpfe angebrachte mit Anis aromatisierte Salzlecken, auch Sulzen genannt.
  • Und in der Landwirtschaft werden die Rückstände von der Destillation des ätherischen Anisöls als Viehfutter verwendet. Grund ist der hohe Gehalt an Eiweißstoffen und fettem Öl.

Anis: Heilpflanze des Jahres 2014

Durch die Wahl zur Heilpflanze des Jahres wird der Anis 2014 in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Die Pflanze bietet vielfältige Gelegenheiten zum Ausprobieren: Sei es der Anbau im eigenen Garten oder das Kreieren einer neuen Gewürzmischung.

Aber Achtung!„, warnt Alfons Schuhbeck: „Anis sollte man immer vorsichtig dosieren, damit er andere Gewürze nicht dominiert!“ [NHVT, Cyclonebill Foto]

 

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