Viktoria von dem Bussche

Ein Gespräch mit Viktoria von dem Bussche über Gartenfestivals, gärtnerische und allerlei andere Herausforderungen, das Rosarium 2000+, Rosen und Ippenburg 2014…

Am Rande der Norddeutschen Tiefebene, eingebettet in eine Wiesen- und Parklandschaft der Hunteniederung, liegt Schloss Ippenburg. Seit mehr als 600 Jahren ist es im Besitz der Familie von dem Bussche.

Viktoria von dem Bussche

Vor über 15 Jahren veranstaltete die Schlossherrin, Viktoria Freifrau von dem Busche, das erste Gartenfestival Deutschlands. Seitdem öffnen sich jedes Jahr zu den Festivals die Tore des Anwesens für Besucher.

Mit ihren außergewöhnlichen Gärten und Festivals beeinflusst Viktoria von dem Bussche bis heute die deutsche Gartenszene.

Englische und niederländische Gartenfestivals

Frau von dem Bussche, wie kamen Sie auf die Idee, Gartenfestivals zu veranstalten?

Von dem Bussche: Ich war begeistert von den englischen und niederländischen Festivals. Wunderschöne Schaugärten und Verkaufsstände mit Pflanzen, Samen und Blumenzwiebeln lockten Gartenliebhaber aus allen Himmelsrichtungen an.

In Deutschland gab es das einfach nicht: Deshalb veranstaltete ich 1998 mein erstes eigenes Festival. Das war der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser.

Mittlerweile haben sich die Ippenburger Festivals aber vom Geheimtipp zu einer festen Größe etabliert. Um das zu erreichen, brauchte es sehr viel Arbeit und Herzblut.

Jedes Festival ist eine Herausforderung

Wo Sie schon so viel erreicht haben, gibt es noch Herausforderungen?

Von dem Bussche: Jedes Festival ist eine Herausforderung und auf seine Art einzigartig. Ein bekannter Landschaftsarchitekt hat mir vor Kurzem ein sehr nettes Lob für meine Gärten und Festivals ausgesprochen.

Darüber freue ich mich zwar, frage mich aber gleichzeitig, was ich im nächsten Jahr noch besser machen kann. Es ist wie bei einem Garten: Er ist nie fertig, sondern entwickelt sich erst über die Jahre zu seiner vollen Pracht.

Als Gärtnerin bin ich mit den Zyklen der Jahreszeiten verbunden – wachsen, blühen und vergehen. In diesem Rhythmus lebe ich und möchte dabei immer mein Bestes geben.

Mein Küchengarten ist ein gutes Beispiel dafür: Er ist für mich als Autodidaktin eine echte Herausforderung – und eine Erfüllung zugleich.

Das Wachsen der Pflanzen, die Freude über die ersten Knospen und Blüten, schließlich das Heranreifen der Früchte zu erleben – daraus ergibt sich ein ganz eigenes Lebensgefühl.

Tausend Ideen im Kopf

Was machen Sie eigentlich im Winter?

Von dem Bussche: Im Winter, wenn die Gartenarbeit getan und die Festivalsaison vorüber ist, finde ich Zeit zu lesen, zu reisen und mich von den verschiedensten Eindrücken inspirieren zu lassen. Ich habe schon wieder tausend Ideen im Kopf, die ich gerne verwirklichen würde.

Ich mache mir die Hände schmutzig

Packen Sie auch selbst richtig mit an, wühlen im Boden und setzen Pflanzen ein?

Von dem Bussche: Ich bin jeden Tag in den Gärten und mache mir die Hände schmutzig – wenn man dabei überhaupt von Schmutz sprechen kann.

Natürlich braucht es viele helfende Hände für ein so großes Areal. Angefangen habe ich aber allein, als die Kinder noch klein waren.

Damals habe ich sehr viel ausprobiert – einiges ging schief, anderes gelang. So habe ich mir mit der Zeit mein Wissen angeeignet.

Gartenarbeit: eine späte Begeisterung

Haben Sie sich schon immer für Gärten begeistert?

Von dem Bussche: Nein, im Gegenteil. Ich hatte keine Lust und keine Ahnung. Als Mädchen war ich für Gartenarbeit gar nicht zu begeistern. Aber ich habe oft in den Gärten auf unserem Landgut in der Lüneburger Heide gespielt.

Diese Erfahrung ruhte wie ein Samenkorn tief in meinem Innern. Erst als ich meinen Mann heiratete und ins Schloss Ippenburg zog, ging dieser Samen auf.

Rosarium 2000+

Was haben Sie zuletzt in Ihren Gärten gemacht?

Von dem Bussche: Ich habe die Begleitpflanzung des Rosariums 2000+ gepflanzt – gemeinsam mit Jacqueline van der Kloet und Ursula Gräfen, zwei bekannten Landschaftsarchitektinnen, die ich sehr schätze.

Das Rosarium 2000+ ist eine Rosensammlung der Neuzeit. Ich wollte damit die schönsten Rosenzüchtungen seit 2001 an einem Ort vereinen. Jedem Jahrgang ist ein Beet gewidmet – und jedes Jahr kommt ein weiteres hinzu.

Unsere Besucher sollen neue Facetten der Rose kennenlernen. Deshalb haben wir sie mit ungewöhnlichen Begleitpflanzen kombiniert und in moderne, schlichte Beete gepflanzt.

Rosen brauchen einen schlichten Rahmen

Passt diese Schlichtheit überhaupt zu der Schönheit der Rosen? Viele kennen und lieben die Rosen schließlich in ganz anderen Zusammenhängen.

Von dem Bussche: Ihre Schönheit kommt in einem schlichten Rahmen erst recht zur Geltung. Es ist wie in einer Ausstellung für moderne Kunst.

Hier hängen nicht die Werke alter Meister: Aber die moderne Kunst greift sie auf, entwickelt sie weiter und erzeugt so beim Betrachter ganz neue Eindrücke. Außerdem bleibt eine Rose eine Rose. Sie wird immer die Königin unter den Blumen sein.

Ippenburg ist kein Museum

Das klingt gut. Kann man nach Ippenburg kommen und sich das selbst anschauen?

Von dem Bussche: Nur an den vier Festivalterminen öffnet Ippenburg seine Tore – sonst sind Schloss und Gärten rein privat. Ippenburg ist ja kein Museum und keine Gartenschau, sondern wird von unserer Familie seit vielen Generationen bewohnt und belebt.

Perfekte Organisation ist mein oberstes Ziel

Was machen Sie während der Festivals? Sind Sie aktiv dabei?

Von dem Bussche: Oh ja, das sind aufregende Tage. Meistens fahre ich mit dem Fahrrad über das Festivalgelände, um schnell von A nach B zu kommen. Perfekte Organisation ist mein oberstes Ziel.

Allein für die Verteilung der Standplätze, nehme ich mir im Vorhinein sehr viel Zeit. Ich möchte, dass sich unsere Besucher wohlfühlen und jeder Stand zur Geltung kommt.

Ippenburg 2014

Was erwartet die Festivalbesucher im nächsten Jahr in Ippenburg?

Von dem Bussche: Wir starten vom 12. bis 13. April mit dem Narzissenfest und Frühlingsmarkt in die Festivalsaison.

Zum Tulpen-Festival vom 01. bis 04. Mai wird erstmals ein großer internationaler Pflanzenmarkt stattfinden, auf dem man vieles für den eigenen Garten entdecken kann.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es ist, spezielle Pflanzen im Handel zu finden.

Mit dem Pflanzenmarkt will ich den Besuchern eine besonders große und hochwertige Auswahl aus dem Sortiment internationaler Händler ermöglichen – und das im Ambiente tausender farbenprächtiger Tulpenblüten.

Der Höhepunkt in unserem Gartenjahr ist das Festival Gartenlust und Landvergnügen vom 03. bis 06. Juli, bei dem man das Rosarium 2000+ in seiner vollen Blüte erleben kann.

Zur Erntezeit laden wir vom 06. bis 07. September zum ländlichen Herbstfest ein. Dann ist der Küchengarten voller reifer Früchte, Gemüse und Blumen. [IPP, Foto]

 

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