Grüne Architektur: Efeu fürs ganze Jahr

Grüne Architektur verschönert wie alle Grünflächen nicht nur Innenstädte und macht sie lebenswerter, sondern bietet einen hohen Nutzwert – sogar fürs ganze Jahr.

Grüne Architektur: Efeu fürs ganze Jahr

Rund 2,4 Mio. Euro hat die BGW [Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft] in den neuen Gastronomiepavillon in der Innenstadt der Ostwestfalen-Metropole investiert.

Das Besondere, was bei dem Kubus sofort ins Auge sticht, ist seine grüne Außenfassade: 12.000 Efeu-Pflanzen wurden dafür in speziellen Kübeln auf einem Stahlskelett an dem Gebäude befestigt.

Entworfen hat den Neubau der Architekt Sven Detering: „Die Idee mit der grünen Fassade kam von der BGW. Ich hätte wahrscheinlich gar nicht gewagt, einem Bauherren so etwas Außergewöhnliches vorzuschlagen.”

Fassadenbegrünung mit System

Gemeinsam hat man sich Begrünungssysteme verschiedener Hersteller angesehen: Die Wahl fiel auf das System Elata des schwäbischen Unternehmens Helix Pflanzensysteme. Dieses wurde modifiziert und an das Bielefelder Projekt angepasst.

Da der grüne Gesamteindruck des Gebäudes auch in den Wintermonaten bestehen bleiben soll, gab es bei der Pflanzenauswahl zu Efeu keine Alternative.

Efeu als “grüne Vorhänge”

Der eigentliche Gebäudekörper des Neubaus ist mit einer vorgehängten Stahlkonstruktion umgeben, an der die Pflanzenträger befestigt sind.

Die fensterlose Westseite, auf der sich die Funktionsbereiche der Gastronomie befinden, wurde komplett begrünt. An den anderen Seiten schieben sich drei Elemente aus der Efeufassade heraus:

  • Der Windfang am Haupteingang,
  • ein Glaskubus an der Nordseite und
  • der große Balkon, der das Gebäude in Richtung des Platzes öffnet.

Auf der Südseite verbirgt die grüne Architektur eine Fluchttreppe, die sich außerhalb befindet.

240 Meter Pflanzkästen für den Efeu

In vier Reihen übereinander haben circa 240 Meter Pflanzkästen ihren Platz rund um das Haus gefunden. Es sind speziell gedämmte Anfertigungen, so dass der Efeu im Winter nicht erfrieren kann.

Die vorgezogenen Kletterpflanzen wachsen in einem Granulat und stützen sich auf ein stabiles Metallgitter. Sie bildeten schon nach kürzester Zeit eine üppig grüne Pflanzenwand.

Für eine optimale Versorgung sind beim Fassadenbegrünungssystem Elata alle Pflanzgefäße an eine computergesteuerte, vollautomatische Bewässerungs- und Düngeanlage angeschlossen.

Sensoren an den verschiedenen Seiten des Hauses bestimmen, wann welche Pflanzen gewässert werden müssen.

Laubengänge zwischen Begrünung und Gebäude ermöglichen Wartungsarbeiten sowie die Pflege und das regelmäßige Schneiden der Kletterpflanzen.

4.500 Quadratmeter Blattoberfläche

An der TU Dresden wurde bereits eine Studie zu dem neuen BGW-Gebäude in der Bielefelder Innenstadt erstellt: Es wurde berechnet, dass die eingebrachten Efeupflanzen insgesamt eine Blattoberfläche von circa 4.500 Quadratmetern aufweisen.

Die grüne Fassade soll so jährlich 760 Kilogramm Sauerstoff freisetzen und 1.070 Kilogramm CO2 absorbieren.

„Im Sommer hat das Begrünungssystem außerdem eine beschattende und kühlende Wirkung für den Pavillon. In Zeiten des Klimawandels ist das – gerade bei Häusern mit vielen Fensterflächen – ein wichtiges Thema“, erklärt Detering:

„Darüber hinaus kann durch solche zusätzlichen Grünflächen die Artenvielfalt in einer Stadt aktiv und quantifizierbar gefördert werden. Schon jetzt kann man viele Vögel auf Nahrungssuche zwischen den Efeupflanzen beobachten und wahrscheinlich werden bald die ersten hier auch nisten.”

Aber obwohl die grüne Hülle viele positive Auswirkungen auf das Haus und die direkte Umgebung hat, unterstreicht der Architekt, dass es sich dabei in erster Linie um ein Gestaltungselement handele, welches zur optischen Aufwertung des Gebäudes und des umliegenden Platzes beitrüge.

Und hört man sich einmal bei den Menschen in Bielefeld um, wurde dieses Ziel auf jeden Fall erreicht: Grün macht glücklich! [HALM, Foto]

 

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