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Krautfäule und Braunfäule: die Tomatenkrankheit

Die Kraut- und Braunfäule gilt als eine der gefährlichsten Tomatenkrankheiten. Der Verursacher dieser Krankheit ist der Pilz Phytophthora infestans, der neben der Tomate auch die Kartoffel befällt und dort auch die gleichen Symptome verursacht. Er stammt, wie seine Wirtspflanzen, ursprünglich aus Mittelamerika und hat bereits bei seinem ersten epidemischen Auftreten in Europa Mitte des vorigen Jahrhunderts zu verheerenden Schäden geführt. Bei länger anhaltender feuchter Sommerwitterung, können ganze Bestände innerhalb kurzer Zeit zusammenbrechen. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz beschreibt Schadbild und Erreger und gibt Tipps zu Gegenmaßnahmen.

 
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11/07/2005 [#] Der Gartennewsletter: Die Gartenwoche im Überblick.

Die Krautfäule macht sich zuerst an den älteren Blättern bemerkbar: Dort entstehen zunächst unscharf begrenzte, braune Flecke unterschiedlicher Größe, die sich nach kurzer Zeit schwärzlich verfärben. Unter feuchten Bedingungen [Regenwetter oder klare Nächte mit intensiver Taubildung] wird blattunterseits ein grauweißer Pilzrasen gebildet. Befallene Blattpartien breiten sich rasch aus und führen zum Absterben des gesamten Blattes. Vielfach ziehen sich die Faulstellen auch über den Blattstiel bis in den Stängel hinein. Befallsstellen können aber auch zeitgleich direkt am Stängel entstehen. Sobald sie den Stängel ganz umfasst haben, stirbt die Tomatenpflanze oberhalb dieser Infektion ab.

Vorwiegend an der oberen Fruchthälfte entstehen braune, etwas eingesunkene runzelige harte Stellen, die tief in das Fruchtfleisch reichen. Auch hier kann sich bei günstiger Witterung ein grauweißer Pilzrasen bilden. Befallene Früchte sind ungenießbar und sollten verworfen werden.

Der bei feuchter Witterung sehr gut sichtbare grauweiße Pilzrasen besteht aus unzähligen Sporen, die vorzugsweise mit dem Wind weiterverbreitet werden. Wenn diese Sporen auf die nassen Blätter, Stängel oder Früchte von Wirtspflanzen gelangen, keimen sie bei Temperaturen von 12 bis 15 Grad Celsius innerhalb weniger Stunden aus. Die Keimschläuche dringen in das Wirtsgewebe ein [sie können auch die intakte Fruchthaut aktiv durchdringen] und es kommt zu neuen Infektionsstellen.

Unter 'günstigen' Bedingungen [ausreichende Feuchtigkeit und Temperaturen von 15 bis 23 Grad Celsius] bilden sich an diesen Infektionsstellen nur drei bis vier Tage später die Sporen der nächsten Generation, die erneut weiterverbreitet werden können. Wegen dieser schnellen Generationsfolge, wegen der großen Sporenmengen, die sich an den Infektionsstellen bilden und auf Grund der sofortigen Keimbereitschaft der Sporen, kann die Krankheit sehr schnell um sich greifen.

Da die Sporenbildung und Sporenkeimung dieses Pilzes nur bei hohen Luftfeuchten über 9o Prozent oder bei tropfnassen Blättern stattfindet, ist eine Krankheitsausbreitung bei warmer, trockener Witterung nicht möglich. Der Pilz kann in diesen Phasen jedoch bis zu mehrere Wochen in dem befallenen Pflanzengewebe, insbesondere in den Stängeln, überdauern. Im heimischen Anbau dürften die Phytophthora-Infektionen an Tomaten stets ihren Ausgang von befallenen Kartoffelbeständen nehmen. Der Befall findet sich vorwiegend an Freilandtomaten, denn bei den Tomaten im geschützten Anbau unter Glas oder Folie sind die Feuchtigkeitsverhältnisse besser zu steuern als im Freiland.

Hinsichtlich der Sortenwahl bestehen nur wenige Möglichkeiten, den Befall zu beeinflussen: Während es bei anderen Schaderregern an Tomaten bereits ein breites Angebot nutzbarer Resistenzen gibt, hat die Züchtung bisher weder Phytophthora-resistente Tomatensorten noch Kartoffelsorten hervorgebracht. Dies hängt unter anderem auch mit der großen Anpassungsfähigkeit dieses Pilzes zusammen. Generell lässt sich aber beobachten, dass Buschtomaten häufiger Befall zeigen als am Stock angebundene Tomaten. Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass Buschtomaten meist dichtere Bestände bilden, die länger feucht bleiben als angebundene Tomaten.

Mit dem Auftreten der Kraut- und Braunfäule an Tomaten muss gerechnet werden, sobald der erste Befall in Kartoffelbeständen aufgetreten ist. Zwischen Mai und Juni ist mit dem Erreger zu rechnen: Und ab diesem Zeitpunkt können die dort gebildeten Sporen mit dem Wind in die Tomaten- [und Kartoffelpflanzungen] der Hausgärten verfrachtet werden. Spätestens dann ist das Tomatenlaub möglichst trocken zu halten: Die Pflanzen sollten keinesfalls mit nassem Laub in die Nacht gehen, da sich so im Zusammenspiel mit der nächtlichen Taubildung die gefürchtete Keim- und Infektionsbedingungen schnell einstellen können.

Die einzig wirkungsvolle direkte Bekämpfungsmethode stellt nach wie vor der Einsatz von speziellen Pilzbekämpfungsmitteln dar. Ihre Anwendung ist aber nur bei feuchter Witterung angezeigt. Unter günstigen Infektionsbedingungen können entsprechend der Gebrauchsanleitung auch wiederholte Behandlungen im 1o- bis 14tägigen Abstand notwendig werden. Befallene Pflanzen können kompostiert werden, sofern sichergestellt ist, dass die sich an diesen Pflanzenteilen noch entwickelnden Sporen nicht mit dem Wind weiterverbreitet werden können.

Tipps zur Pflege: Tomaten niemals von oben [über Kopf] gießen. Das Abmulchen des Bodens mit Rasenschnitt oder Stroh verhindert, dass Pilzsporen durch Regentropfen auf die untersten Blätter geschleudert werden. Sinnvoll sind das Entfernen der untersten Blätter und die Behandlung mit Pflanzenstärkungsmitteln.

 
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