Wimpern-Hedwigsmoos: Moos des Jahres 2014

Wimpern-Hedwigsmoos: Moos des Jahres 2014! Ernannt wurde es von der Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa e.V. [BLAM].

Hedwigia ciliata ist eine weit verbreitete Art auf kalkarmem Gestein, häufiger ist sie aber nur in den silikatischen Gebirgen zu finden.

Das Moos des Jahres 2014

Hedwigia ciliata ist ein in lockeren Rasen oder kleinen Polstern wachsendes Laubmoos, das durch seine im trockenen Zustand:

  • graugrüne Färbung,
  • die weißlichen Glasspitzen der Blättchen und
  • die an den Spitzen einseitswendigen Triebe

…auffällt.

Die Art fruchtet häufig: dann finden sich an den Triebspitzen die in die obersten Blättchen eingesenkten, länglich-eiförmigen, rotbraunen Kapseln mit einem hinfälligen, kleinen Häubchen.

Von dem ebenfalls graugrünen, mit weißlichen Glasspitzen ausgestatteten Racomitrium canescens [und anderen Racomitrium-Arten sowie Schistidium] lässt sie sich durch:

  • das Fehlen von Peristomzähnen,
  • das Fehlen einer Blattrippe und
  • die einseitswendige Ausrichtung der Blättchen an den Triebspitzen

…unterscheiden.

Hedwigia ciliata besiedelt kalkarme aber gerne basenreiche Silikatfelsen in sonniger bis seltener halbschattiger Lage.

Das Wimpern-Hedwigsmoos kommt an Felsen in der offenen Landschaft und in lichten Wäldern vor, findet sich aber auch an Mauern und felsigen Straßenanrissen.

Wimpern-Hedwigsmoos: Verbreitung

Hedwigia ciliata ist eine weltweit verbreitete [kosmopolitische] Art: In Mitteleuropa ist sie in den [Mittel-]Gebirgen ziemlich häufig anzutreffen, im Flachland ist sie dagegen selten geworden beziehungsweise regional ausgestorben.

Wie bei der Landkartenflechte, der Flechte des Jahres 2014, liegt dies zum einen an dem Verschwinden von Findlingsblöcken oder Lesesteinriegeln aus der Landschaft, zum anderen an den dichter werdenden Wäldern [etwa Fichtenforste], in denen die Art nicht mehr genügend Licht erhält.

Wimpern-Hedwigsmoos auf der Roten Liste

Das Wimpern-Hedwigsmoos ist auf der Roten Liste Deutschlands als „gefährdet“ eingestuft, wobei sich bei den Listen der Bundesländer ein deutliches Süd-Nord-Gefälle bemerkbar macht:

In der Schweiz und in Österreich, in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland gilt sie als ungefährdet, während sie in den nördlichen deutschen Bundesländern als „gefährdet“ bis „ausgestorben“ eingestuft wird.

Von der häufigereren Varietät ciliata lässt sich die weitaus seltenere Varietät leucophaea unterscheiden: Sie hat längere, weißliche Glasspitzen, die sich deutlicher vom grünen Blatteil absetzen, und wächst gerne auf vulkanischen Gesteinen.

Eine ähnliche Art ist Hedwigia stellata mit trocken nach außen gekrümmten oder zurückgeschlagenen Blattspitzen; sie scheint stärker besonnte, trockenere Standorte als H. ciliata zu bevorzugen.

Biologie des Wimpern-Hedwigsmoos

Als Anpassung an ihre stark sonnenbestrahlten Standorte bilden alle Arten der Gattung Glasspitzen aus:

Dies sind die weißlich erscheinenden oberen Teile des Blattes, die in den luftgefüllten, abgestorbenen Zellen kein Chlorophyll mehr enthalten.

Sie dienen – wie bei vielen anderen Arten mit einer ähnlichen Anpassung – zum Zurückwerfen des Sonnenlichts insbesondere in trockenem Zustand.

Im nassen Zustand werden die Glasspitzen transparenter und lassen das Licht auf die nun photosynthetisch aktiven, darunterliegenden grünen Zellen fallen.

Parasiten des Wimpern-Hedwigsmoos

Auf Hedwigia ciliata wurde der moosparasitische Pilz Bryochiton monascus s.l. gefunden, der vor allem Arten der Familie Grimmiaceae besiedelt.

Ein spezifisch auf dem Wimpern-Hedwigsmoos parasitierender Pilz ist bislang nicht bekannt geworden.

Eine medizinische Anwendung des Wimpern-Hedwigsmooses ist unbekannt. [BLAM, Heike Hofmann Foto]

 

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